27. Februar 2010 08:22
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topaktuell: Alle Infos aus dem Krisengebiet im Live-Ticker
Ein Erdbeben der Stärke 8,8 hat am Samstag in Chile über 200 Menschen das
Leben gekostet. Präsidentin Michelle Bachelet rief für die Regionen um das
Epizentrum des Bebens in der Landesmitte den Katastrophenzustand aus. Es sei
damit zu rechnen, dass sich die Zahl der Opfer noch erhöhen werde, sagte
sie. Überdies wurde eine Tsunami-Warnung für den Westen Südamerikas, Hawaii,
Australien, Neuseeland, Japan, die Philippinen und Russland herausgegeben.
Welle auf den Robinson-Crusoe-Inseln
Innenminister Edmundo
Perez Yoma sprach von einem verheerenden Erdbeben. Auf den zu Chile
gehörenden Robinson-Crusoe-Inseln sei eine riesige Welle an Land geschwappt,
erklärte Präsidentin Bachelet. Berichte über größere Schäden auf den rund
660 Kilometer westlich der chilenischen Küste gelegenen Inseln lägen
zunächst aber nicht vor.
Das Beben ereignete sich um 3.34 Uhr Ortszeit (07.34 Uhr MEZ) rund 320
Kilometer südwestlich von Santiago in einer Tiefe von knapp 35 Kilometern.
In der Hauptstadt schwankten für eineinhalb Minuten Gebäude, einige stürzten
ein, darunter der Glockenturm der Kirche Nuestra Señora de la Providencia.
In einigen Vierteln fiel der Strom aus. Telefonverbindungen im gesamten Land
waren unterbrochen. Mehrere Krankenhäuser wurden laut Bachelet wegen
Erdbebenschäden evakuiert. Auf den gewaltigen Erdstoß folgten binnen
zweieinhalb Stunden elf zum Teil schwere Nachbeben, wie die US-Erdbebenwarte
mitteilte.
Hier
klicken: So werden Erdbeben gemessen
Bilder der Zerstörung
Das chilenische Fernsehen zeigte
Bilder zerstörter Häuser, beschädigter Autos und von Trümmern übersäter
Straßen. Dutzende Menschen irrten durch die Straßen. Das zweigeschossige
Parkhaus eines Mietshauses stürzte ein und begrub etwa 50 Autos unter sich.
Am Rand von Santiago stürzte eine Brücke ein. Der Flughafen von Santiago
wurde nach Angaben seines Direktors Eduardo del Canto für mindestens 24
Stunden geschlossen. Das Passagierterminal sei bei dem Beben schwer
beschädigt worden, sagte er im Fernsehen.
Das Zentrum des Bebens lag 115 Kilometer von der zweitgrößten Stadt
Concepción entfernt, in der mehr als 200.000 Menschen leben. Die
Telefonverbindungen in die Stadt waren mehrere Stunden nach dem Beben noch
immer unterbrochen, so dass sich die Schäden dort zunächst schwer abschätzen
ließen. Noch näher am Zentrum des Bebens liegt der Skiort Chillan, der bei
einem Erdbeben 1939 zerstört wurde.
Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 in derselben
Region gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1.655 Menschen
ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der davon ausgelöste Tsunami
tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste
der USA richtete er Schäden an.
Erdbeben auch in Japan
Auch das japanische Wetteramt warnte nach
dem Erdbeben vor der chilenischen Küste, dass es im Pazifik zu einem Tsunami
kommen könne. Ein Erdbeben der Stärke 7,0 vor der Küste Japans hatte zuvor
kleine Tsunami-Wellen an die Küste der Insel Okinawa gespült. Der stärkste
Erdstoß in der Gegend seit 15 Jahren ereignete sich US-Angaben zufolge etwa
80 Kilometer südöstlich von Okinawa in 22 Kilometer Tiefe. Zwei Rentner
wurden nach japanischen Behördenangaben auf Okinawa leicht verletzt, als sie
wegen des Bebens stürzten. Durch den Erdstoß brachen an etwa 20 Stellen
Wasserleitungen, einige Bäume stürzten um.
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Info-Box: Das sind Tsunamis
Tsunamis sind Riesenwellen. Sie können entstehen, wenn Erdbeben
oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu
normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche
wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen)
auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung.
Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht höher als zwei
oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Wellenlänge von Schiffen
oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten
läuft sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auf und
kann ganze Landstriche verwüsten. Tsunamis breiten sich mit bis zu
900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganze
Ozeane durchqueren.
Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität
der Erdkruste rings um den Pazifik. Frühwarndienste versuchen mit
Sensorbojen, Computern und Satelliten, betroffene Gebiete rechtzeitig
vor möglichen Riesenwellen zu warnen. Bei der Tsunami-Katastrophe am
26. Dezember 2004 in Südostasien waren mehr als 230.000 Menschen ums
Leben gekommen.
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