19. März 2010 16:49
In immer mehr russischen Städten gibt es Streit über die Würdigung von
Sowjet-Diktator Josef Stalin. Vor den Feiern zum 65. Jahrestag des Sieges
über Nazi-Deutschland am 9. Mai hängte ein Geschäftsmann in Kirow im Westen
des Landes ein riesiges Poster mit dem Konterfei Stalins und fünf
sowjetischen Generälen aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Das berichtete die
Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" am Freitag. Die Behörden hätten das
umstrittene Plakat nach einem Tag entfernen lassen. In der Hauptstadt Moskau
sollen mit ausdrücklicher Unterstützung von Bürgermeister Juri Luschkow rund
um die Siegesparade mehrere Poster an Stalin erinnern.
Der Kirower Geschäftsmann hatte nach eigenen Angaben die mündliche Erlaubnis
der Stadt, das Plakat anzubringen. Eine Vertreterin der Stadt widersprach
jedoch. In der Region Altai etwa 3.000 Kilometer östlich von Moskau kündigte
die Kommunistische Partei an, 70 Stalin-Plakate aufzuhängen. Auch in der
zweitgrößten russischen Stadt St. Petersburg wollen die Kommunisten auf
eigene Faust des Sowjet-Diktators (1879-1953) gedenken.
Stalin habe die Sowjetunion als Oberbefehlshaber zum Sieg über den
Hitler-Faschismus geführt, argumentieren die Befürworter der Plakataktionen.
Hochrangige Politiker widersprachen jedoch. Die Bevölkerung habe den Sieg
errungen, Stalin hingegen jede Menge militärischer Fehler gemacht. Präsident
Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin haben den Sowjetterror
unter Stalin deutlich verurteilt. Westliche Diplomaten befürchten, dass die
zu der Moskauer Siegesparade eingeladenen ausländischen Staats- und
Regierungschefs aus Protest gegen die Stalin-Plakate ihre Teilnahme absagen
könnten.