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Stuttgart 21: Bahn-Chef mit Tode bedroht

Polizeischutz

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Stuttgart 21: Bahn-Chef mit Tode bedroht

Der Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube hat offenbar wegen des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" Morddrohungen erhalten. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten, dass Grube deshalb seit kurzem rund um die Uhr unter Polizeischutz stehe. Demnach sind sowohl die Polizei in Berlin als auch das Landeskriminalamt in Stuttgart eingeschaltet, die den Hauptsitz der Bahn in Berlin und Grubes Wohnhaus im Landkreis Calw (Baden-Württemberg) bewachen. Bahnkreise bestätigten laut Zeitung die Bedrohung, ein Sprecher Grubes machte jedoch keine näheren Angaben.

Drohbriefe enthielten weißes Pulver
Nach Angaben der Zeitung wurden im Umfeld des Wohnhauses zuletzt Aufnahmen der Familie gemacht und ins Internet gestellt. Grubes Frau und seine beiden Kinder wurden daraufhin zeitweise an einen geheimen Ort gebracht. Einige der Drohbriefe an den Bahn-Chef enthielten den Angaben zufolge ein weißes Pulver, das an den Milzbranderreger erinnerte, sich aber als harmlos entpuppte.

Farbbeutel-Angriffe in Brüssel

Gegner des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" haben sich unterdessen zu dem Anschlag mit Farbbeuteln auf die baden-württembergische Landesvertretung in Brüssel bekannt. Das Staatsministerium wies am Montag auf ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben hin, in dem es hieß, dass die Vertretung wegen der "untragbaren Repression" gegen "Stuttgart 21"-Gegner angegriffen worden sei. "Euer Polizeistaat kennt keine Grenzen. Unser Widerstand wird grenzenlos sein", schrieben die Aktivisten weiter.

In der Nacht auf Samstag waren Farbbeutel auf die Landesvertretung in Brüssel geworfen worden. Vor allem das Erdgeschoß und der Eingang waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Einige Beutel seien auch gegen Fenster der zweiten Etage geworfen worden, teilte das Staatsministerium mit. Neben der Eingangstüre hätten die Täter die durchgestrichene Aufschrift "S21" hinterlassen, das Kürzel für das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21".

Kritik an Demonstranten

Führende deutsche Politiker haben im Streit um das Bahnprojekt "Stuttgart 21" scharfe Kritik an den Demonstranten geübt. Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verteidigte erneut den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs als eine "riesige Zukunftschance". Auch baden-württembergische Regierungspolitiker äußerten sich kritisch: Justizminister Ulrich Goll (FDP) warf den Gegnern des Bahnhofsprojekts Bequemlichkeit vor. Innenminister Heribert Rech (CDU) erklärte, den Demonstranten gehe es darum, "es diesem Staat zu zeigen und demokratisch gefällte Entscheidungen einfach zu ignorieren". Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) lehnte einen Baustopp ab.

Bei dem umstrittenen Bauvorhaben soll der Kopfbahnhof der baden-württembergischen Landeshauptstadt in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgewandelt werden. Das Projekt soll nach derzeitiger Planung rund 4,1 Milliarden Euro kosten. Die Auseinandersetzung um "Stuttgart 21" war am Donnerstag eskaliert. Bei einer Demonstration war die Polizei mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen die Protestierenden vorgegangen, die den Beginn der Baumfällungen im Schlossgarten verhindern wollten. Nach Behördenangaben wurden mehr als hundert Menschen verletzt.

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