Taliban enthaupten sechs Polizisten

Gebäude gestürmt

Taliban enthaupten sechs Polizisten

Aufständische Taliban haben nach Berichten der internationalen Schutztruppe ISAF mehrere Regierungsgebäude gestürmt und insgesamt sechs afghanische Polizisten enthauptet. Der Angriff hat sich in der Provinz Baghlan im Norden Afghanistans ereignet, wie ein ISAF-Sprecher am Mittwoch mitteilte. Die Taliban seien in dem Gebiet bis vor kurzem kaum aktiv gewesen.

Ziel des Überfalls, der sich bereits am Dienstag ereignet hatte, waren eine Polizeistation sowie ein Gebäude der Bezirksregierung. Ein Sprecher der Taliban bestätigte zwar den Angriff, wies die Berichte über Enthauptungen jedoch zurück.

Gewaltaktionen nehmen zu
Der Gouverneur der Provinz, Abdul Majid, konnte zum genauen Ablauf des Angriffs keine Angaben machen. Trotz der rund 150.000 im Land stationierten ausländischen Soldaten von ISAF und US-Armee nehmen die Gewaltaktionen der radikal-islamischen Taliban auch im als stabil geltenden Norden Afghanistans zu.

US-Präsident Barack Obama begrüßte am Dienstag die Ergebnisse der internationalen Afghanistan-Konferenz in Kabul. Damit sei ein "großer Schritt voran" gemacht worden, sagte Obama bei einer Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister David Cameron in Washington. Die US-Strategie für den Einsatz in dem zentralasiatischen Land sei die richtige, fügte er hinzu.

Deutschland nennt kein Abzugsdatum
Auch Cameron sprach von "echtem Fortschritt" in Afghanistan. Bei der Konferenz am Dienstag hatten die internationalen Teilnehmer, unter ihnen US-Außenministerin Hillary Clinton, unter anderem das Ziel festgeschrieben, bis Ende 2014 die Sicherheitsverantwortung im Land vollständig an die afghanischen Sicherheitskräfte abzugeben. Die USA sind mit Abstand der größte Truppensteller in Afghanistan. Derzeit stocken sie ihr Kontingent um 30.000 Soldaten auf, ab Juli 2011 sollen aber die ersten US-Soldaten aus Afghanistan abziehen. Großbritannien ist der zweitgrößte Truppensteller am Hindukusch und ein sehr enger Verbündeter der USA.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und der deutsche NATO-General Egon Ramms sprachen sich unterdessen gegen ein Abzugsdatum für deutsche Truppen aus Afghanistan aus. Man sollte keine Enddaten für einen Abzug setzen, "das wäre verheerend und dumm", sagte der Minister der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Ziel sei es, "ein Mindestmaß an Stabilität" herzustellen. "Wenn das erreicht ist, kann man mit einem Abzug beginnen."

Guttenberg räumt Versäumnisse ein
Für einen Rückzug vom Hindukusch müssten "sehr klare und sehr harte Benchmarks" erfüllt sein. "Ohne solche Bedingungen kanns nicht laufen, ein Abzug darf kein Selbstzweck sein, sondern er muss an das klare Erreichen von Zielen geknüpft sein", sagte der CSU-Politiker. Guttenberg räumte in dem Blatt Versäumnisse ein. "Alle Politiker - mich eingeschlossen - haben teilweise Bilder gezeichnet und Ziele formuliert, die sich inzwischen als Illusion erwiesen haben."

Der deutsche NATO-General Ramms kritisierte generell die Debatte in Berlin über einen Abzugstermin: "Ich halte das Reden über Abzugsdaten für gefährlich", sagte Ramms der Tageszeitung "Die Welt". "Wir liefern den Aufständischen damit Informationen, wie es um den psychischen Zustand in unserer Bevölkerung bestellt ist." Der 61-Jährige ist Befehlshaber des für NATO-Einsätze zuständigen Hauptquartiers im niederländischen Brunssum. Ramms warnte zugleich vor einer falschen Darstellung der Lage in Afghanistan: "Das Bild, das in der Öffentlichkeit herrscht, unterscheidet sich deutlich von unserem eigenen."

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