Taliban sprechen massive Drohungen aus

Vor der Wahl

 

Taliban sprechen massive Drohungen aus

Vor der Parlamentswahl in Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban der Bevölkerung, den Wahlhelfern und den Sicherheitskräften des Landes massiv gedroht. "Alle Straßen zu den Wahllokalen werden angegriffen, und Wahlhelfer und Sicherheitskräfte sind unsere Hauptziele", sagte Talibansprecher Sabibullah Mujahid am Donnerstag. Die Taliban riefen zu einem Boykott der Wahl auf.

Viele Wahllokale bleiben zu
Zivilisten seien nicht Ziel der angedrohten Angriffe. "Aber wenn Menschen zu den Wahllokalen gehen, werden sie etwas abbekommen." Rund 250.000 Sicherheitskräfte sollen den Urnengang und die mehr als 5800 Wahllokale am Samstag schützen. Jedoch ist bereits klar, dass etwa tausend Wahllokale in den Hochburgen der Taliban im Süden und Osten des Landes gar nicht erst öffnen, weil dort die Sicherheit der Wähler nicht garantiert werden kann.

Kurz vor der Anschlagsdrohung veröffentlichten die Taliban auch eine Erklärung, in der sie die Afghanen dazu aufforderten, dem Votum fernzubleiben: "Wir rufen die muslimische Nation zum Boykott auf." Alle Einmischungen aus dem Ausland müssten bekämpft und die Angreifer "im Einklang mit dem Jihad und dem islamischen Widerstand aus dem Land gejagt" werden. "Eine Wahl unter amerikanischer Besatzung dient nur den Interessen der Angreifer und hat schwerwiegende Konsequenzen für unser Volk und unser Land und verlängert die Tragödie, die unser Volk durchlebt", hieß es in der Erklärung.

Zu dem Urnengang am Samstag sind mehr als 10,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen. Bei der zweiten Parlamentswahl seit dem Sturz des Taliban-Regimes durch ein von den USA angeführtes Militärbündnis im Jahr 2001 treten mehr als 2500 Kandidaten an, um einen der 249 Sitze im Abgeordnetenhaus in Kabul zu ergattern.

17 Tote bei Protesten
Bei gewaltsamen Protesten sowie Gefechten und Anschlägen im Land gab es mindestens 17 Tote. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, demonstrierten in der südlichen Provinz Oruzgan ungeachtet der Absage der geplanten Koran-Verbrennung in den USA erneut hunderte Menschen vor einen Stützpunkt der Internationalen Schutztruppe ISAF. Als Steine geflogen seien, hätten Soldaten in die Menge gefeuert und zwei Männer getötet. Die ISAF erklärte, ein bewaffneter Demonstrant habe versucht, in das Gelände einzudringen und sei erschossen worden.

Erst am Mittwoch hatte es in Kabul Ausschreitungen gegeben, bei denen ein Mensch ums Leben gekommen und mehr als 40 weitere verletzt worden waren. Bei ähnlichen Protesten in den Tagen zuvor waren drei Menschen getötet worden. Auslöser war die Ankündigung eines radikalen US-Pastors, am vergangenen Samstag, dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001, den Koran verbrennen zu wollen. Nach einem weltweiten Aufschrei der Empörung war die Aktion abgesagt worden.

Bei einem Angriff von radikal-islamischen Aufständischen im Süden des Landes starb nach ISAF-Angaben vom Donnerstag ein ausländischer Soldat. Einzelheiten wurden nicht bekannt. In der Provinz Kandahar seien bei einem Gefecht mit Sicherheitskräften vier Extremisten getötet worden, teilte die Provinzregierung mit. Zudem seien zwei Kinder bei der Explosion eines Sprengsatzes ums Leben gekommen.

Bereits am Mittwoch griffen NATO-Kampfflugzeuge in der nordafghanischen Provinz Kunduz im Einsatzgebiet der deutschen Bundeswehr Stellungen der Taliban an und töteten acht Aufständische. Wie die Schutztruppe mitteilte, galt der Angriff einer Gruppe, die während der Parlamentswahlen an diesem Samstag Anschläge verüben wollte.

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