Terroranschlag auf russisches Kraftwerk

Zwei Tote

© EPA

Terroranschlag auf russisches Kraftwerk

Bei einem Bombenanschlag auf ein Wasserkraftwerk in der russischen Kaukasusrepublik Kabardino-Balkarien sind am Mittwoch zwei Menschen getötet worden. Bewaffnete stürmten um 05.20 Uhr (03.20 Uhr MESZ) in der Früh das Gelände, erschossen zwei Wachleute und verletzten drei weitere, wie die Polizei mitteilte. Anschließend zündeten die Angreifer mehrere Sprengsätze und flüchteten. Das Werk geriet in Brand und musste vorübergehend vom Netz genommen werden.

Durch die Explosionen und den Brand seien zwei der drei Triebwerke des 25-Megawatt-Kraftwerks zerstört worden, zitierte die Nachrichtenagentur ITAR-Tass das Unternehmen RusHydro (RusGidro). Es bestehe jedoch keine Gefahr von Überschwemmungen. Auch Stromausfälle gab es nach Medienberichten nicht. Das Kraftwerk und der zugehörige Staudamm liegen am Fluss Baksan. Es produziert etwa sieben Prozent der in Kabardino-Balkarien verbrauchten Energie.

Polizeiwache überfallen
Das staatliche Fernsehen zeigte Beiträge, in denen Feuerwehrleute gegen die Flammen in dem Kraftwerk kämpften. Dichter Rauch stieg auf. Medienberichten zufolge dauerte es fast drei Stunden, bis das Feuer gelöscht war. Zum Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Die Täter seien in zwei Fahrzeugen zu dem Kraftwerk gekommen, sagte Polizeisprecher Adlan Kakujew. Sie hatten demnach vor dem Anschlag vermutlich eine Polizeiwache in der Stadt Baksan überfallen, dabei wurde niemand verletzt.

Der jüngste Anschlag zeigt, dass die Extremisten immer mehr dazu übergehen, neben Zivilisten auch Einrichtungen der Infrastruktur ins Visier zu nehmen. So hatte der tschetschenische Rebellen-Anführer Doku Umarow unlängst angekündigt, russische Energie-Pipelines und Kraftwerke anzugreifen. Umarow hatte sich auch zu den Anschlägen auf die Moskauer Metro im März bekannt, bei denen mindestens 40 Menschen getötet worden waren.

Größtes innenpolitisches Problem
Kabardino-Balkarien mit seinen etwa 900.000 Einwohnern galt bisher als vergleichsweise ruhige Kaukasus-Region. Sie grenzt im Süden an Georgien und im Osten an die von Georgien abtrünnige Region Nordossetien. Zahlreiche Flüsse machen die Teilrepublik mit der Hauptstadt Naltschik geeignet für die Energiegewinnung durch Wasserkraftwerke. Das angegriffene Wasserkraftwerk wurde in den 1930er Jahren am Ufer des Flusses Baksan errichtet.

Im Oktober 2005 hatten Dutzende Angreifer die Regionalhauptstadt Naltschik gestürmt und Polizei- und Regierungsbüros überfallen. Dabei wurden 139 Menschen getötet. Zwei Selbstmordanschläge auf die U-Bahn in Moskau im März haben in Russland die Angst vor neuen Anschlägen Aufständischer geschürt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sieht in den Unruhen im Kaukasus nach eigenen Worten das derzeit größte innenpolitische Problem. Vor wenigen Wochen kündigte Regierungschef Wladimir Putin ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft in der Konfliktregion an, um den Wohlstand der Bevölkerung zu heben.

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