Todkranker Bub atmet ohne fremde Hilfe

Ärzte wollten Alfie sterben lassen

Todkranker Bub atmet ohne fremde Hilfe

Die Eltern des schwerkranken Alfie Evans haben bei der britischen Justiz am Dienstag einen Antrag auf Verlegung ihres Sohnes von Liverpool in ein italienisches Krankenhaus eingereicht. Der Antrag wurde eingebracht, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der knapp zwei Jahre alte Bub selbstständig atmen kann, sagte ein Sprecher der Familie nach Angaben italienischer Medien.
 

Alfie atmet selbständig

Der schwerkranke Bub Alfie Evans atmet nach Angaben seines Vaters weiter - obwohl Ärzte ihn am Montag vom Beatmungsgerät getrennt haben. Er habe mehr als neun Stunden ohne fremde Hilfe geatmet, sagte sein Vater Tom Evans Dienstag früh zu Reportern vor dem Alder Hey Hospital in Liverpool.

Die Ärzte seien "baff" gewesen, als klar geworden sei, dass Alfie selbst atmen könne, sagte Evans der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Später sei die Zufuhr von Sauerstoff und Wasser wieder gestartet worden. Das knapp zweijährige Kind atme aber weiterhin selbst.
 

Verlegung nach Italien beantragt

Neben dem vatikanischen Kinderkrankenhauses "Bambino Gesu" erklärte sich auch das Spital "Gaslini" in Genua zur Behandlung des Kindes bereit. Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi erklärte ebenfalls ihre Bereitschaft, dem Buben eine Behandlung in Rom zu garantieren. Die italienische Verteidigungsministerin Roberta Pinotti habe sich eingeschaltet, um ein Flugzeug für Alfie zur Verfügung zu stellen, berichtete die Leiterin des vatikanischen Krankenhauses, Marinella Enoc, nach Medienangaben.
 
Enoc war am Montag nach Liverpool gereist und hatte das Kind im Spital besucht. Von der Leitung des Krankenhauses wurde sie nicht empfangen. Sie sei in engem Kontakt zu den Eltern des Kindes, berichtete Enoc. Die Regierung in Rom hatte am Montag Alfie Evans die italienische Staatsbürgerschaft gewährt, um ihm Behandlungen in Italien zu ermöglichen. Die rechtspopulistische Lega reichte am Dienstag im Parlament einen Antrag ein, um die italienische Regierung zu verpflichten, Alfie nach Italien zu bringen.
 

"Schockierend und unmenschlich"

"Wir sind geschockt. Wir tun alles Mögliche, um Alfie das Leben zu retten. Unsere Krankenhäuser stehen zur Verfügung", sagte die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin. Der Präsident der italienischen Gesundheitsbehörde ISS, Walter Ricciardi, bezeichnete die Methoden der britischen Behörden als "schockierend und unmenschlich". "Einige Krankheiten sind unheilbar. Doch jeder Mensch muss bis zum Schluss behandelt werden", meinte Ricciardi.
 
"Alfie atmet selbstständig und lebt. Wann werden die Behörden den Unterschied zwischen einem Elektrogerät und einem kranken Kind begreifen?", fragte der Abgeordnete der rechtskonservativen Forza Italia, Antonio Palmieri.
 
EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani meinte, man müsse Alfie noch eine Chance geben. "Man muss das Leben dieses kleinen europäischen Bürgers schützen. Vielleicht kann man ihn in Rom retten", sagte Tajani nach einem Treffen mit Kardinal Gualtiero Bassetti, Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI, in Brüssel.
 

Gericht: Alfie darf nicht ausgeflogen werden

Der schwerkranke kleine Bub Alfie Evans darf seine britische Heimat nicht für eine medizinische Behandlung verlassen - das hat ein Gericht in Manchester entschieden. Laut der britischen Nachrichtenagentur PA wies ein Richter einen entsprechenden Antrag der Eltern am Dienstagabend ab.

Das Kind darf damit nicht nach Italien ausgeflogen werden. "Dies ist das letzte Kapitel im Fall dieses außergewöhnlichen kleinen Jungen", zitierte die BBC und die Zeitung "Guardian" den Richter. Laut dem "Guardian" brachte das Gericht zugleich die Möglichkeit ins Spiel, das Kind "für seine letzten Tage oder Stunden" nach Hause zu holen.
 
Der knapp zwei Jahre alte Bub leidet an einer schweren neurologischen Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Die Ärzte im Kinderkrankenhaus Alder Hey in Liverpool halten lebenserhaltende Maßnahmen für sinnlos, weil das Gehirn des Kindes durch seine Krankheit fast vollständig zerstört sein soll. Britische Richter bestätigten diese Auffassung durch alle Instanzen hindurch.
 
Für einen möglichen Transport von Alfie nach Italien war nach den Worten der Präsidentin des päpstlichen Kinderkrankenhauses Bambino Gesu bereits alles vorbereitet gewesen. "Es steht sowohl ein Flugzeug der italienischen Luftwaffe als auch das Ärzteteam bereit", hatte Mariella Enoc in Rom vor der Entscheidung gesagt.
 
 
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