Top Kill-Flop: BP hat keine Alternativen Top Kill-Flop: BP hat keine Alternativen

Ölpest

 

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Top Kill-Flop: BP hat keine Alternativen

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nimmt immer schlimmere Dimensionen an: Nach dem Scheitern der Operation "Top Kill" räumte der Ölkonzern BP am Sonntag ein, dass auch der nächste Versuch mit der Montage eines neuen Ventils an der seit fast sechs Wochen undichten Steigleitung den Ölaustritt wohl höchstens vermindern könne. Gestoppt werde die Ölpest erst mit der im August fertig werdenden Ersatzbohrung, sagte BP-Manager Bob Dudley im US-Fernsehsender ABC.

270 Kilometer Küste verseucht
Mit der neuen Bohrung soll der Druck von dem seit dem Untergang der Ölplattform "Deepwater Horizon" beschädigten Leitung in 1.500 Meter Tiefe genommen werden. "Das ist sicherlich der Endpunkt in diesem Spiel", sagte Dudley. Die Beraterin für Energie und Klima im Weißen Haus, Carol Browner, sagte unterdessen im Fernsehsender NBC, die US-Regierung sei "auf das Schlimmste gefasst": Dass die defekte Steigleitung irreparabel ist und massenhaft Öl bis zur Fertigstellung von Ersatzbohrungen austritt. Die Regierung habe BP angewiesen, gegebenenfalls nicht nur eine, sondern zwei neue Bohrungen voranzutreiben.

"Dies ist wahrscheinlich die größte Umweltkatastrophe, der die USA jemals gegenüberstanden", sagte Browner. Nach Angaben der Küstenwache sind bereits 270 Kilometer Küste und 13 Hektar Marschland verseucht. Fast 500 Vögel, mehr als 200 Schildkröten und 25 Meeressäuger starben.

Obama tief enttäuscht
Das Scheitern von "Top Kill", dem Stopfen des Lecks mit Schlamm und Zement, wurde von BP am Samstag eingestanden. US-Präsident Barack Obama reagierte tief enttäuscht. Dass nun weiter Öl in die bereits stark verschmutzten Gewässer ströme, sei "ebenso empörend wie herzzerreißend", erklärte der Präsident in einer ungewöhnlich emotionalen Erklärung. Obama kündigte an, er werde den Druck auf den Konzern aufrechterhalten. Bis die beiden Entlastungsbohrlöcher fertig seien, müsse BP alles daran setzen, dass Leck auf anderem Weg zu stoppen.

Nach dem gescheiterten Versuch, das Leck zu schließen, wird der Kampf gegen den Ölteppich an der Küste immer wichtiger, sagte die Verantwortliche Mary Landry von der US-Küstenwache. Sie äußerte allerdings die Sorge vor der Hurrikan-Saison, die am Dienstag beginnt. "Die Herausforderung ist das Wetter." In den vergangenen Wochen konnte wegen der guten Witterung viel Öl von der Meeresoberfläche abgeschöpft oder verbrannt werden. Hurrikane könnten aber das Öl weiter in das ökologisch höchst anfällige Marschland am Mississippi-Delta pressen.

Scheitern "jagt jedem Angst ein"
Der Top-Kill-Versuch begann am Mittwoch. BP pumpte dabei 4,5 Millionen Liter einer Spezialmischung aus Schlamm, Zement und Müll in das Bohrloch in 1.500 Metern Tiefe. Dass das Verfahren scheiterte, "jagt jedem Angst ein", räumte BP-Manager Doug Suttles am Samstag ein. Seit der Explosion auf der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April sind nach Schätzung der US-Regierung zwischen 68 Millionen und 151 Million Liter Öl ins Meer geflossen. Es handelt sich um die schwerste Ölpest in der Geschichte der USA. Beim Unfall des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska verdreckten "nur" 35.000 Tonnen das Meer.

"Sommer ist verloren"
BP will nun mit Unterwasserrobotern das Steigrohr des lecken Bohrlochs absägen und es mit einem Ventil provisorisch abdichten. Die Aktion soll zwischen vier und sieben Tagen dauern. Dudley räumte in der ABC-Sendung "This Week" ein, dass damit das Leck wohl noch nicht einmal vorübergehend geschlossen werden kann. Erst im August werde mit neuen, den Druck von der Austrittsstelle nehmenden Bohrungen der Endpunkt erreicht, schätzte Dudley.

Die Nachricht über das Scheitern von Top Kill wurde in den Orten an der Küste von Louisiana und besonders bei den Fischern mit großer Enttäuschung aufgenommen. "Jetzt wird jedem klar, dass dieser Sommer verloren ist. Unser ganzer Lebensstil ist womöglich verloren", sagte der 59-jährige Michael Ballay, Manager einer Marina in Venice in Louisiana, wo das erste Öl vor Wochen an die Küste kam. "Sie zerstören den Süden von Louisiana. Wir sterben hier einen langsamen Tod", sagte Billy Nungesser von der Gemeinde Plaquemines. "Und am Dienstag beginnt die Hurrikan-Saison."

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