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Toter Grazer: Jägerin hörte Hilferufe

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Toter Grazer: Jägerin hörte Hilferufe

Nachdem eine DNA-Analyse von gefundenen Knochen im deutschen Uelzen Gewissheit brachten, sind die Behörden nun auf der Suche nach der Todesursache beim Grazer Anton Koschuh (43). Laut Landeskriminalamt Steiermark (LKA), das vor Ort die Familie mit Informationen versorgt, sei derzeit von einem Unfall auszugehen. Suizid und Fremdverschulden konnten so gut wie ausgeschlossen werden, erklärte Polizeisprecher Fritz Grundnig am Nationalfeiertag.

Die deutschen Behörden planen in der kommenden Woche eine Nachsuche, um mögliche weitere Funde, die Koschuh zuzuordnen sind, zu entdecken. Momentan liege die Vermutung nahe, dass der Grazer im Juli am Heimweg von Hamburg per Zug fahren wollte und aus irgendeinem Grund offensichtlich entlang der Hochgeschwindigkeitstrasse bei Uelzen zu Fuß gegangen und verunfallt war.

Grundnig bestätigte, dass der Polizei in Uelzen am 24. Juli nach Einbruch der Dunkelheit von einer Jägerin, die auf einem Hochsitz saß, Hilferufe gemeldet wurden. Sie habe damals angegeben, dass sie diese in der Nähe ihres Sitzes gehört habe. Als die Polizei die Umgebung absuchte, konnte sie jedoch nichts entdecken. Erst vor zwei Wochen wurden etwa eineinhalb Kilometer vom Hochsitz entfernt Spuren des Steirers gefunden.

Die Familie des 43-Jährigen wurde am vergangenen Donnerstag davon informiert. Sein Bruder kritisierte daraufhin in seinem Internetblog: "Ich bin nicht auf die deutsche Polizei wütend, im Gegenteil. Und es macht den Toni auch nicht mehr lebendig. Aber vielleicht hätte man am 24. Juli gründlicher suchen müssen." Seitens der steirischen Behörden hieß es, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Jägerin Hilferufe aus einer Entfernung von eineinhalb Kilometern gegen den Wind gehört haben kann. Koschuhs Bruder meinte dagegen: "Es ist aber nur schwer vorstellbar, dass zwei völlig unterschiedliche Personen, im Umkreis von nur 1.500 Metern, ganz im selben Zeitraum, in Not waren."

Kai Richter von der Pressestelle der Polizeiinspektion Lüneburg/Uelzen erklärte am Samstag auf APA-Anfrage, dass man "Verständnis für eine Kritik in einer Ausnahmesituation" habe: "Die können wir aushalten." Von einer Ermittlungspanne wolle er jedoch keinesfalls sprechen: "Die Kollegen haben am 24. Juli intensiv gesucht und nach bestem Wissen gehandelt." Da keine Vermisstenanzeige vorgelegen sei und Meldungen über Hilferufe öfter vorkommen, sei eben nicht das ganze Programm mit Hubschrauber und dergleichen angelaufen: "Wir nehmen solche Sachen schon ernst, aber es ist immer abzuwägen, wie sinnvoll welche Suchaktionen nach entsprechender Beweislage sind", so Richter.

Das letzte Lebenszeichen des Grazers hatte es am Abend des 22. Juli gegeben, als er seiner Familie telefonisch bekannt gab, für die Rückfahrt von einer Dienstreise nach Hamburg doch den Zug nehmen zu wollen. Von da an fehlte jede Spur. Weder die Ermittlungen der Polizei, noch Suchaufrufe über das soziale Netzwerk Facebook oder Flugzettel, die von den Verwandten in Hamburg verteilt wurde, brachten zunächst einen Erfolg. Vor zweieinhalb Wochen wurde der Rucksack des Steirers neben einer Bahnstrecke gefunden, eine Woche später Knochen, die von Koschuh stammten.

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