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Türkei: Wahl-Triumph für Erdogan

Wirtschafts-Boom

Türkei: Wahl-Triumph für Erdogan

50 Millionen Türken wählen morgen ein neues Parlament. Der triumphale Sieger steht bereits jetzt fest. Der AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan werden 48 Prozent der Stimmen vorhergesagt. Damit liegt die islamisch geprägte Partei in den Umfragen satte 20 Prozentpunkte vor dem Zweitplatzierten.

Türkeiwahl © TZ ÖSTERREICH
Quelle: TZ ÖSTERREICH

Die säkularistische CHP unter Kemal Kilicdaroglu, der wegen seiner Nickelbrille nur „Gandhi“ genannt wird, kommt auf nur 28 Prozent.

Der eigentliche Wahlkrimi findet um den Parlaments-Einzug der dritten großen türkischen Partei statt: Die rechtsnationale MHP liegt bei 11 Prozent, ganz knapp über der Hürde für den Einzug von 10 Prozent.

Spannend: Zieht die MHP tatsächlich nicht ein, könnte Erdogan sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit einfahren.

Erdogan will Präsident nach US-Vorbild werden
Die Zwei-Drittel-Mehrheit mit mindestens 367 der 550 Parlamentssitze ist Erdogans eigentliches Wahlziel. Denn nur damit könnte die AKP die Verfassung im Alleingang ändern. Mit 330 bis 366 Sitzen kann sie über das Thema eine Volksbefragung abhalten.

Hintergrund: Experten vermuten, dass Erdogan ein Präsidialsystem nach amerikanischem Vorbild schaffen möchte – mit ihm selbst als Präsidenten. In seinem jetzigen Amt will der 57-Jährige nach der neuen Legislaturperiode jedenfalls nicht mehr antreten.

Thema EU interessierte im Wahlkampf niemanden
Im Wahlkampf setzte Recep Tayyip Erdogan voll auf das Thema Wirtschaft. Im Gegensatz zur EU steht der europäisch-asiatische Staat nämlich ausgesprochen gut da, ist die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft in Europa (siehe rechts).
Herausforderer Kemal Kilicdaroglu versuchte, Erdogan als Diktator darzustellen. Korruption und die hohe Jugendarbeitslosigkeit prangerte er in seinen Wahlkampfreden an.

Die stockenden EU-Beitritts-Verhandlungen waren im Wahlkampf kaum ein Thema – das liegt auch an den guten Wirtschaftsdaten. Die Türkei strotzt vor Selbstbewusstsein. Sie kann es sich derzeit leisten, ohne die Europäische Union auszukommen. (knd)

Boom: Türkei steht besser da als EU
Die Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Recep Tayyip Erdogan. Vom einstigen Armenhaus hat sich die Türkei zu einem Top-Ziel für Investoren gemausert. Istanbuls Börse bringt den Anlegern regelmäßig Gewinne. Die Wirtschaft boomt.

Die Mittelschicht kann sich mittlerweile ein komfortables Leben leisten, weil die Löhne gestiegen sind: Die Zahl der Autos hat sich seit dem Regierungsantritt der AKP verdoppelt. Anderes Beispiel: Im ersten Quartal 2011 kauften die Türken um 100.000 Kühlschränke mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2010.
Die Wirtschaftskennzahlen lassen so manchen EU-Staat erblassen. Das BIP hat sich seit 2002 verdreifacht, die Neuverschuldung liegt bei 2,8 Prozent, die Staatsverschuldung bei 42 Prozent.

Allerdings ist auch das Kreditvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 35 (!) Prozent gestiegen. Das treibt auch die Inflation in die Höhe.

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