28. Juni 2010 07:14
Die Türkei hat ihren Luftraum offenbar nur für israelische Militärflugzeuge
gesperrt. Regierungskreise in Ankara betonten am Montag allerdings, in
Einzelfällen könnten Flüge auch künftig genehmigt werden. Die amtliche
Nachrichtenagentur Anadolu hatte zuvor unter Berufung auf Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan von einem generellen Flugverbot für Maschinen aus
Israel berichtet. Die Maßnahme sei nach der israelischen Militäraktion gegen
eine Flotte mit Hilfsgütern für den Gazastreifen am 31. Mai verhängt worden.
Offiziere mussten Umweg nehmen
Mindestens einem israelischen
Flugzeug mit mehr als 100 Offizieren an Bord hat die Türkei bereits die
Nutzung ihres Luftraums verwehrt, wie die israelische Zeitung "Yediot
Ahronot" am Sonntag berichtete. Die Offiziere wollten zu einem Besuch
der Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz nach Polen
fliegen. Die Maschine habe einen Umweg nehmen müssen, berichtete das Blatt.
Die israelischen Streitkräfte hätten offiziell nicht auf den Vorfall
reagiert, um die Spannungen mit der Türkei nicht weiter anzuheizen.
Bei der israelischen Militäraktion gegen die Gaza-Hilfsflotte waren neun
türkische Aktivisten getötet worden. Die Türkei rief daraufhin ihren
Botschafter aus Israel zurück und sagte gemeinsame Militärmanöver ab. Ankara
fordert von Israel die Rückgabe der beschlagnahmten Schiffe, eine
Entschädigung der Opfer und eine internationale Untersuchung des
Zwischenfalls. Israel setzte stattdessen eine eigene Untersuchungskommission
ein, der allerdings auch zwei ausländische Beobachter angehören.
Drohung gegen iranische Aktivisten
Israel droht unterdessen
iranischen Aktivisten einer möglichen neuen Flottille mit Lieferungen für
den Gazastreifen mit Verhaftung. "Sie werden nicht durchkommen, wir
lassen kein Schiff durchkommen - es sei denn, sie sind bereit, in Ashdod
anzulegen", sagte der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Eliezer
der "Financial Times Deutschland". "Das ist ein Ticket ohne
Rückfahrschein. Sie kommen rein, aber sie kommen nicht mehr hinaus."
Am Montag wurde nun die Fahrt abgesagt. Grund dafür sei, dass die
ägyptischen Behörden die Passage durch den Suezkanal nicht genehmigt hätten,
teilte die Gesellschaft auf ihrer Internet-Seite mit. Die für den Kanal
zuständige Schifffahrtsbehörde teilte hingegen mit, bei ihr sei keine
iranische Anfrage zur Durchfahrt eingegangen. Generell gebe es dort zudem
keine Beschränkungen für iranische Schiffe.
Eine iranische Flottille vor der Küste Gazas würde zu einer gefährlichen
Konfrontation mit Israel führen. Teheran hatte zuvor gar erwogen, eigene
Schiffe durch Elitesoldaten der iranischen Revolutionsgarde schützen zu
lassen. Iran gilt als Waffenlieferant der im Gazastreifen herrschenden
radikalislamischen Hamas. Iranischen Presseberichten zufolge erwägen
iranische Aktivisten und Politiker nun, an Bord libanesischer Schiffe in das
Gebiet zu gelangen.
Auch Baustoffe dürfen in Gazastreifen
Ben-Eliezer kündigte
an, dass Israel im Zuge der Lockerung der Blockade künftig auch
Baumaterialien in den Gazastreifen lassen werde. "Wenn es um Zement für
Bauzwecke geht, gibt es kein Problem", sagte Ben-Eliezer. Auch weiteres
Material für die Sanierung werde man passieren lassen. Man wolle der Welt
zeigen, dass das Problem mit dem Gazastreifen "keine humanitäre Frage"
sei. Israel will dem Handelsminister zufolge auch palästinensische Exporte
aus dem Gazastreifen ermöglichen.
Ben-Eliezer verbat sich jedoch ausländische Einmischung. Deutschlands
Außenminister Guido Westerwelle hatte Anfang vergangener Woche eine "komplette
Öffnung" des Gazastreifens gefordert. "Wenn es um Sicherheit
geht, würde ich Deutschland keine Ratschläge geben", sagte
Ben-Eliezer. Dasselbe gelte auch andersherum.