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Putin schickt 50.000 Soldaten

Ukraine-Krise

Putin schickt 50.000 Soldaten

Putin hat klare Fakten geschaffen: Die Halbinsel Krim (zwei Millionen Einwohner, 58,5 Prozent ethnische Russen) ist komplett unter Kontrolle Moskaus.

Montag, 14 Uhr:Zusätzlich stellte das ­Kommando der russischen Schwarzmeerflotte dem ukrainischen Militär am Montag auf der Krim ein Ultimatum. Alle ukrainischen Kräfte auf der Halbinsel müssen sofort ihre Waffen niederlegen, ansonsten werde angegriffen.

Der Kommandant der Schwarzmeerflotte, Alexander Vitko, sprach das Ul­timatum aus: „Wenn sie sich nicht vor 5 Uhr in der Früh (Ortszeit) ergeben, wird ein Angriff auf Einheiten und Divisionen der ukrainischen Streitkräfte auf der gesamten Krim gestartet“, erklärte Vitko. Die Androhung kommt einer Kriegs­erklärung gleich. Das neue Verteidigungsministerium in Kiew bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Russen-Jets über der Ukraine, Handynetz gestört
Einmarsch. Als das Ultimatum ausgesprochen wurde, flogen russische MiG-Kampfjets als Provokation mehrmals in den ukrainischen Luftraum, durchbrachen im Tiefflug die Schallmauer. Auch das Handynetz auf der Krim war teilweise gestört.

Alles deutet darauf hin, dass Putin den nächsten, noch größeren militärischen Schritt vorbereitet: In den Militärhäfen gegenüber der Krim wurden massive Truppenbewegungen registriert. Panzerwagen, Mannschaftstransporter und 35.000 Mann wurden zusammengezogen. Sie stehen zum Einmarsch in die Ostukraine bereit. Befürchtet wird, dass die russischen Kräfte auf breiter Fläche bis nach Donezk und Charkow vordringen könnten (siehe Grafik). Auch hier leben größtenteils ethnische Russen, denen Putin „zu Hilfe eilen könnte“: „Würde das passieren“, sagte Tschechiens Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg zu ÖSTERREICH, „wäre die Ukraine gespalten.“

Karl Wendl

Krim-Grafik.jpg © TZ ÖSTERREICH

Busek: "Lösung nur mit Putin"

Ostexperte Erhard Busek über die Eskalation zwischen Russland und Europa.
Österreich: Wie kann Moskau gestoppt werden?
Erhard Busek: Für Putin ist die Ukraine das kleine Russland. Er hängt noch an der Vorstellung, dass Russland – wie früher die Sowjetunion – eine Supermacht ist. Es ist ihm unendlich wichtig, auf Augenhöhe mit den Amerikanern gesehen zu werden.

Österreich: Was könnte die EU entgegensetzen?
Busek: Die Schwierigkeit ist, dass die EU praktisch nicht handlungsfähig ist. Niemand verfügt über Entscheidungsfähigkeit, schon gar nicht die Außenbeauftragte Catherine Ashton. Selbst bei Sanktionen findet man keinen gemeinsamen Weg.

Österreich: Befürchten Sie einen großen Krieg?
Busek: Ich halte das durchaus für möglich. Das hängt sehr stark davon ab, was jetzt geschehen wird. Konfrontation wäre das Schlechteste, das würde als nächstes einen Wirtschaftskrieg zur Folge haben. Allen Beteiligten muss klar sein, dass eine Lösung nur in Kooperation mit Putin zu erzielen ist. Ob Europa das weiß, kann ich nicht sagen. Ich habe den Eindruck, dass die EU die Krise noch immer nicht versteht.

(wek)

EU zahnlos gegenüber Moskau

EU-Außenminister tagten, eine einheitliche Strategie in der Krim-Krise gibt es nicht.
Während Putin rasch Fakten schuf, reagiert Europas Krisendiplomatie nur zögerlich: Deutschland, England und Frankreich sind gegen Sanktionen, Österreich steht zumindest „für eine Androhung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland“. Die früheren Oststaaten innerhalb der EU fordern ein hartes Vorgehen gegen die Machtpolitik Putins.

Strategie. Als erste ernste Maßnahme überlegt Brüssel einen „Stopp des Dialogs über Visafreiheit“, hieß es am Montag am Rande der EU-Tagung.

(wek)

Krim-Krise: Jetzt wird Benzin teurer

Der Rubel ist auf Rekordtief, die Aktienkurse fallen, auch in Wien. Gold- und Ölpreis steigen.
Der drohende Krieg zwischen Russland und der Ukraine erschüttert weltweit die Wirtschaft: Die Moskauer Börse brach am Montag um 12 Prozent ein, die russische Währung Rubel Rubel stürzte auf ein historisches Tief – ein Euro kostete erstmals mehr als 50 Rubel. Zu den größten Verlierern zählten Gazprom-Aktien: Der rus­sische Gasgigant verlor an der Börse in nur einem Tag knapp acht Milliarden Euro an Wert. Auch die Aktienmärkte in Asien und Europa reagierten mit hohen Kursverlusten.

Raiffeisen-Tochter hat 3,6-
Mrd.-€-Kredite in Ukraine
Der Wiener Börsenindex ATX verlor 3,5 Prozent, alle 20 hier enthaltenenen Aktien schlitterten ins Minus. Besonders böse erwischte es die Raiffeisen Bank International (RBI), die 9,6 Prozent einbüßte. Raiffeisen hat über ihre Ukraine-Tochter Bank Aval Kredite über 3,6 Milliarden Euro vergeben.

Öl und Gold teurer. Die Profiteure von Putins Konflikt um die Krim sind Öl und die Krisenwährung Gold. Öl verteuerte sich am Montag um zwei Prozent auf 111,24 Dollar je Barrel (159 Liter) – für den Fall eines Krieges erwarten Analysten einen weiteren kräftigen Anstieg.




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