Uni-Affäre um Saif al-Gaddafi

Scharfe Kritik

Uni-Affäre um Saif al-Gaddafi

Heute sitzt Saif al-Islam al-Gaddafi in Libyen in Haft und sieht der Todesstrafe entgegen. Bis 2011 war er „Darling“ der britischen Eliten. Nicht nur der (vernichtende) Prüfbericht von Lord Woolf über die Verbindung der Elite-Uni LSE – an der Saif 2008 dissertierte – zu dem libyschen Diktatorensohn belegt dies. 2002 bemühten sich Mitarbeiter des damaligen Premiers Großbritanniens, Tony Blair, Saif einen Studienplatz in Oxford zu verschaffen. Diese lehnte ab.

Auch die LSE wehrte ihn 2002 noch ab. Kein Wunder: In Tripolis fand man nun Gaddafis Erstvorschlag für seine Dissertation: Er wollte Weltbank und UNO in einen „Weltkongress“ umformen. 2003 nimmt ihn die philosophische Abteilung der LSE nach „Interventionen“ auf. Ein dortiger Professor zeigt sich alarmiert: „Gaddafi ist ein schwacher philosophischer Denker mit unterentwickeltem logischen Denken.“ Der heute 39-Jährige macht ab 2004 überraschende Fortschritte: Saif engagiert einen Tutor, Philipp Dorstewitz, dem er 4.000 Pfund im Monat zahlt. Eine Professorin meldet prompt Zweifel an die LSE-Direk­tion, „ob Saif seine Arbeiten selbst schreibt“.

Nicht so Tony Blair: Auf offiziellem Downing-Street-10-Papier bedankt sich Blair 2008, dass ihm Saif – jetzt über die Zivilgesellschaft – seine Dissertation vorab zu lesen geschickt habe.

Und Blair fügt Korrekturvorschläge ein. Die Plagiatsvorwürfe gegen Saif wurden von der University of London in einem eigenen Bericht geprüft. Tutor Dorstewitz schickte Saif immer wieder Textbausteine für seine Dissertation. Saif darf seinen Titel dennoch behalten. Denn die Universität konnte „ihn zu den Vorwürfen nicht befragen“…

Autor: Isabelle Daniel
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