Verbrechen an Sudeten eingestanden

Tschechiens Präsident

Verbrechen an Sudeten eingestanden

Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus hat Verbrechen von Tschechen an Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zugegeben. In einer Rede auf einer Totenfeier im Nationalen Friedhof in Theresienstadt (Terezin), aus der die Zeitungen am Montag zitierten, lehnte er es strikt ab, diese Verbrechen mit jenen der nazideutschen Besatzungsmacht gleichzusetzen. Unbestreitbar sei es auch von tschechischer Seite nach dem Krieg zu Gewalt, Verbrechen und Morden an Unschuldigen gekommen. "Man kann darüber nicht schweigen", sagte der Präsident. Auch unter den Tschechen habe es Sadisten und Verbrecher gegeben, die Häftlinge gepeinigt hätten.

Unterschiede
Allerdings müsse man auf eine grundsätzliche Weise unterscheiden und nicht zulassen, dass individuelle, nicht vom Staat organisierte und kaltblütig projektierte Verbrechen im Lauf des Krieges das Verstehen der Ursachen und der Folgen der damaligen Ereignisse löschen. "Versuche einer Symmetrierung der Schuld der Aggressoren und ihrer Opfer kann man nicht zulassen. Man kann nicht vergessen, wer den Rassen- und Nationalhass entfaltet hat, wer ihn zur offiziellen Staatspolitik gemacht und wer ihn mit beispielloser Brutalität auf fanatische Weise bis zum Ende durchgeführt hat", sagte Klaus.

"Unsere Pflicht ist es, die historische Wahrheit sowie die Demokratie und die humanistischen Ideale, auf denen unsere Zivilisation steht, zu schützen", betonte der Staatspräsident. Nur so könne man sichern, dass die Tragödie, an die man in Theresienstadt jedes Jahr erinnere, nur mehr eine schreckliche, traurige und sehr belehrende Vergangenheit bleibe, so Klaus in der Stadt, wo es im Zweiten Weltkrieg ein jüdisches Ghetto und KZ-Lager (Gefängnis der Prager Gestapo) gab.

KZ in Theresienstadt
In Theresienstadt hatte die deutsche Besatzungsmacht 1942 ein KZ und Vorzeigeghetto eingerichtet. 38.000 Häftlinge kamen um, fast 90.000 wurden in Vernichtungslager in Osteuropa weitertransportiert. Nach Kriegsende wurden dort 3.500 Sudetendeutsche interniert, über 500 überlebten das Lager nicht, sie starben an den Folgen mangelnder Ernährung und unhygienischer Zustände oder nach der Anwendung von Gewalt durch das Aufsichtspersonal.

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