13. Oktober 2012 22:48
Debatte
Verdient die EU den Nobelpreis?
Vor zwei Tagen wurde der EU der Friedensnobelpreis zuerkannt.
Verdient die EU den Nobelpreis?
© oe24

Die einen sprachen von einer „großen Ehre“ und einer „wunderbaren Entscheidung“. Die anderen verteufelten den Entschluss als „absurd“ und „völlig falsch“. Die Vergabe des heurigen Friedensnobelpreises an die Europäische Union (ÖSTERREICH berichtete) hat die Gemüter mehr als erhitzt. Immer mehr Menschen fragen: Haben wir diesen Preis denn überhaupt verdient?

„Die Jury hat eine depressive Schwerkranke gewürdigt!“
Fix ist: Die EU steckt in einer größeren Krise. In Spanien liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei 21,8 Prozent, Italien muss 20 Milliarden Euro zusätzlich an Schulden aufnehmen, in Griechenland ist die Selbstmordrate aufgrund der wirtschaftlichen Lage auf ein Rekord-Hoch gestiegen.

Kein Wunder, dass EU-Skeptiker für die Verleihung des Nobelpreises kein lobendes Wort finden: Die französische Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen findet die Entscheidung einen „Totalausfall“ und befürchtet künftig „wirtschaftliche und soziale Kriege zwischen den europäischen Völkern“.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verteufelt die Auszeichnung im Gespräch mit ÖSTERREICH als „absurd“, Großbritanniens Premier David Cameron äußerte sich erst gar nicht. Die französische Zeitungen Libération schreibt: „Die Jury hat eine Schwerkranke gewürdigt, die depressiv ist und deren lebenserhaltende Organe gelähmt sind. Einige haben bemerkt, dass die Lobrede in Oslo wie eine Grabrede klang.“
Ex-Kanzler Vranitzky: „Eine eindrucksvolle Anerkennung“

Aber trotz der teils heftigen Kritik: Die meisten Europäer ließen sich die Feierlaune nicht verderben. Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky kommentierte die Zuerkennung als „eindrucksvolle Anerkennung des Friedenswillens und des Gemeinschaftssinnes“, Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler erklärte gegenüber ÖSTERREICH die Europäische Union zum „gelungenen Friedensprojekt“.

Die Preisverleihung findet am 10. Dezember im Osloer Rathaus statt.