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Rätselraten um Motiv von Killer-Ehepaar

San Bernardino

Rätselraten um Motiv von Killer-Ehepaar

 Heißer könnte die Gerüchteküche in San Bernardino nicht brodeln. Zwei Tage nachdem ein Ehepaar in einer Behinderteneinrichtung in der kalifornischen Stadt 14 Menschen erschossen hatte, gibt es heftige Spekulationen über die Motivlage der beiden. War die Mutter, die ihr sechs Monate altes Kind zurückließ, eine Anhängerin des Islamischen Staats? Hat der IS gar die Heirat des Paares arrangiert?

Erst war es "Terrorakt", dann nicht mehr

Am Freitag gab die Bundespolizei FBI bekannt: "Wir behandeln diese entsetzliche Tat als einen Akt des Terrors." Doch mehr konnte oder wollte FBI-Direktor David Bowdich vorerst nicht zur Klärung beitragen - im Gegenteil. Die Ermittlungsbehörden scheinen die Spekulationsspirale geradezu genüsslich anzutreiben.

San Viele Fragen drehten sich um einen Facebook-Post, den die Täterin während der Tat abgesetzt haben soll. Die 27 Jahre alte Frau soll darin dem IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue ausgesprochen haben. Bowdich bestätigt dies indirekt, gab aber keine Hinweise darauf, wie viel Bedeutung er dem beimisst.

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Keine Verbindung zu IS gefunden

Hinweise auf eine Verbindung des Paars zum IS seien nicht gefunden worden. Gesichert ist lediglich, dass beide ein gehöriges Waffenarsenal angehäuft hatten, mit zwölf Rohrbomben und 1.600 Schuss Munition. Ihren Säugling gaben sie kurz vor der Tat bei der Oma ab.

Medien durften ins Haus der Killer
In den Morgenstunden des Freitags hatte bereits der Vermieter der zwei von der Polizei getöteten Täter die Medien ins Haus gelassen. Haarklein nahmen die Fernsehkameras alles ins Visier, was sie vorfinden konnten. Teddybären im Kinderzimmer, ein Buch mit dem Titel "Gute-Nacht-Geschichten aus dem Koran". Auf dem Bett im Schlafzimmer sind Personalausweise, Einkaufskarten, Papiere ausgebreitet. Draußen vor der Tür warten die FBI-Ermittler in ihren kurzärmeligen, blauen T-Shirts in fröhlicher Stimmung.

Beweismittel wurden liegen gelassen
Warum hatte das FBI so viele Beweismittel liegen lassen? Bilder von Familienangehörigen, Freunden, möglichen Komplizen. Warum sollte die Privatsphäre der Angreifer so spektakulär in die Wohnzimmer der USA übertragen werden?

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Politisches Kalkül
Während Überlebende, die Angehörigen der Todesopfer und die Bürger von San Bernardino in tiefer Trauer versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, steckt in der Aufarbeitung der Gewalttat auch jede Menge politisches Kalkül. US-Präsident Barack Obama war der erste, der wieder einmal schärfere Waffengesetze forderte und die Republikaner im Kongress bezichtigte, genau dies zu verhindern.

Republikaner wollen syrische Flüchtlinge nicht

Die Republikaner ihrerseits versuchen alles, im Nachgang der Anschläge von Paris die Schüsse von San Bernardino als ersten Terrorakt des IS auf US-Boden darzustellen. Das würde ihrer Forderung nach Abweisung syrischer Flüchtlinge und einer härteren Linie im Krieg gegen den Terror entgegenkommen.

Anscheinend war die Todesschützin auf der Grundlage eines sogenannten Verlobten-Visums seit 2014 in den USA. Das bedeutet, dass sie durch eine der härtesten Überprüfungen gegangen sein muss, die die US-Grenzbehörden aufzubieten haben.

Trump profitiert vom Attentat
Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, der als Polit-Haudrauf die strikteste Linie gegen Terror aller US-Politiker vertritt, baute seine Führung in Umfragen umgehend aus. Leute wie er wollen die Tür für Migranten aus bestimmten Ländern komplett schließen.

Wissenschafter wie Brian Levin stützen die These. Der IS vertrete in Europa die Strategie, Terrorkämpfer in Camps auszubilden und sie dann zurückschicken, sagte der Leiter des Instituts für Extremismusforschung an der Universität von San Bernardino. In den USA würden sie dagegen über das Internet angelernt und inspiriert, Anschläge vor der Haustür zu verüben.

Selbstradikalisierung
Andere sind vorsichtiger, sprechen von Selbstradikalisierung. Das Ehepaar könnte wie ein "Einsamer Wolf" ohne Anbindung an eine aktive Terrorzelle gehandelt haben. Auch Obamas Sprecher Josh Earnest musste eingestehen, dass dies vielleicht die schwierigste Herausforderung ist. "Der Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, wie schwer es ist, wirksam gegen Einsame Wölfe vorzugehen."
 

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