Wiederaufbau wird gigantische Aufgabe

Erdbeben in Chile

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Wiederaufbau wird gigantische Aufgabe

In Chile kommt der Wiederaufbau nach dem Erdbeben vom Samstag in Gang. Chilenische Militäreinheiten begannen - ausgerüstet mit Behelfsbrücken, Treibstoff und Lebensmitteln - zusammen mit freiwilligen Helfern mit der schwierigen Mission. Am Dienstag (Ortszeit) traf ein Konvoi aus 50 Lastwagen beladen mit Baumaterial und Proviant in der vom Beben besonders getroffenen Stadt Concepción ein. In dem Ort etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago leben mehr als 200.000 Menschen. Bei dem Beben der Stärke 8,8 sind knapp 800 Menschen ums Leben gekommen. Etliche gelten noch als vermisst.

Ausgangssperre bleibt aufrecht
Die Lage in Concepción war zeitweise sehr angespannt. Männer, Frauen und Kinder brachten sich auf den Dächern ihrer Häuser in Sicherheit und errichteten Straßenbarrikaden. Sie versuchten so, sich vor Plünderern und Räubern zu schützen, die Concepción und andere Städte wie Lota, Coronel und Tomé heimsuchten. In Concepción gibt es noch immer eine Ausgangssperre vom Abend bis zum folgenden Mittag, damit es nicht erneut zu Plünderungen und Brandstiftungen kommt.

Wegen der soliden Bauweise und einer strengen Bauaufsicht brachen die meisten Häuser während des Bebens zwar nicht zusammen, erlitten aber oft irreparable Schäden. "Hier muss alles abgerissen und dann ganz neu aufgebaut werden", sagte Pedro Sánchez aus dem Küstenort Cobquecura. In diesem wie in Nachbarorten kehrt langsam wieder die Normalität ein.

Gigantische Aufgabe
Präsidentin Michelle Bachelet, die wegen des späten Truppeneinsatzes in der Kritik steht, reiste am Dienstag in den Ort Curicó, dessen historisches Zentrum in Trümmern liegt. "Wir kommen (mit Hilfe) in jeden noch so abgelegenen Ort", versicherte das Staatsoberhaupt. "Aber wir bitten auch um Geduld."

Der Wiederaufbau wird eine gigantische Aufgabe. Die Regierung schätzt, dass etwa 500.000 Häuser durch das Beben und den anschließenden Tsunami schwerwiegend beschädigt sind. Die Zerstörungen erstrecken sich über eine Distanz von 1.600 Kilometern. Auch die Telefonleitungen sind weiträumig unterbrochen. Die Polizei etwa gibt Leuten, die von einem Ort in einen anderen fahren, Zettel mit Informationen für Kollegen in anderen Städten mit. "So weit ist es gekommen", sagt der Polizist Jorge Bustos.

Kritische Lage in Krankenhäusern
Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. "Heute sind wir in der Lage, 240.000 Essensrationen auszuteilen. Und bald werden es 600.000 sein", versicherte Bildungsministerin Mónica Jiménez. Die Zahlen sind eindrucksvoll. Und doch fordern viele der Betroffenen mehr Hilfe. "Wir brauchen Lebensmittel, Windeln und Zelte. Wir schlafen auf den Bergen ringsum unter offenem Himmel", erzählt Sergio Veloso von der Insel Santa María, die vom Tsunami getroffen wurde.

General Guillermo Ramírez, der während des Notstands das Kommando über die Region Bíobío übernommen hatte, räumt Verzögerungen und Versäumnisse ein: "Wir müssen da noch effizienter werden." Kritisch ist die Lage vor allem in Krankenhäusern. Viele wurden durch das Beben so sehr beschädigt, dass sie geräumt werden mussten. Die Patienten wurden - wie etwa in Chillán, Concepción und Puerto Saavedra - in Feldlazarette verlegt. Ärzte und Pfleger sind oft völlig übermüdet. "Hier sind Kollegen, die haben schon drei Schichten durchgearbeitet", sagt der Direktor des Krankenhauses Las Hiqueras in der Stadt Talcahuano, Alfredo Jerez. "Sie sind völlig fertig und müssen sich unbedingt ausruhen."

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