Witz über Juden: Berlusconi unter Druck

Italien

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Witz über Juden: Berlusconi unter Druck

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kommt nicht zur Ruhe. Nachdem er die Vertrauensabstimmung über sein neues Regierungsprogramm im Parlament bewältigt hat, ist der Premierminister wegen eines Witzes über die Juden und wegen seiner Attacken gegen die Richterschaft arg unter Beschuss geraten. In der Nacht auf Donnerstag, nachdem er in der Abgeordnetenkammer die Vertrauensabstimmung gewonnen hatte, unterhielt sich Berlusconi unter seiner Privatresidenz in Rom mit einer Gruppe von Jugendlichen, vor denen er gegen die Richter wettete und Witze erzählte. Das Gespräch wurde von einem Jugendlichen mit der Videokamera aufgenommen. Das Video wurde von dem regierungskritischen Magazin "L'Espresso" am Freitag veröffentlicht

"Eine Jude erzählt einem Angehörigen: Während der KZ-Zeit kam ein Jude zu uns und bat unsere Familie, ihn zu verstecken. Wir brachten ihn im Keller unter und forderten von ihm Geld. 3.000 Euro pro Tag. Na ja, wir sind eben Juden. Er hat gezahlt, weil er das Geld hatte. Was meinst Du, sollte man ihn sagen, dass Hitler tot und der Krieg zu Ende ist?", erzählte Berlusconi.

Der Premierminister erzählte auch einen weiteren Witz gegen die Oppositionspolitikerin Rosy Bindi, in dem auch ein Fluch vorkommt. Die Berlusconi-Witze sorgten für helle Empörung. "Berlusconis verschmäht die Juden und beweist einmal mehr, wie tief das Land unter seiner Führung gestürzt ist", protestierte Ex-Oppositionschef Walter Veltroni.

Attacke gegen Richter
Der 74-jährige Premierminister attackierte auch die Richter. Einige gegen ihn gesinnte Richter seien eine "kriminelle Organisation". "Man müsste eine parlamentarische Untersuchungskommission einrichten, die Namen nennt und offen sagt, dass es eine kriminelle Organisation in der Richterschaft gibt", meinte Berlusconi. In Italien würden die Richter und nicht das Parlament regieren, protestierte der Premierminister.

Schon vor zwei Wochen hatte Berlusconi mit einem Hitler-Witz bei einer Wahlveranstaltung für einen Eklat gesorgt. "Anhänger Hitlers entdecken, dass ihr Führer noch lebt, und bitten ihn, wieder die Macht zu ergreifen. Darauf antwortet Hitler, dass er zurückkommen werde, aber nur unter einer Bedingung: Dann werde er böse sein." Die Opposition verlangte, dass sich Berlusconi bei Israel und der jüdischen Gemeinde Italiens entschuldige.

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