Zweifel an aktiver Rolle Bin Ladens

Pakistan

Zweifel an aktiver Rolle Bin Ladens

Der getötete Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat nach Einschätzung der USA das Islamisten-Netzwerk Al-Kaida bis zum Schluss aus seinem Versteck in Pakistan kommandiert. Pakistan wies die US-Darstellung als "lächerlich" zurück. "Das ist absoluter Quatsch", sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte.

"Das klingt lächerlich"
Ein hochrangiger Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes sagte zu der US-Darstellung: "Das klingt lächerlich. Es klingt nicht so, als ob er ein Terror-Netzwerk betrieben hat." In dem Haus gab es weder Telefon noch Internet. Pakistan bezweifelt schon allein deswegen, dass Bin Laden von dort aus Al-Kaida leitete.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Tom Donilon, sagte in der Sendung "Meet the Press" von NBC, die USA hätten bis dato keine Beweise dafür, dass die pakistanische Regierung, das Militär oder die Geheimdienste über den Aufenthaltsort Bin Ladens informiert gewesen seien. Allerdings müsse die jahrelange Residenz Bin Ladens "untersucht" werden, forderte Donilon.

Von US-Geld abhängig
Pakistan ist von milliardenschweren US-Finanzhilfen abhängig und steht stark unter Druck, den Amerikanern zu erklären, wie Bin Laden so viele Jahre unentdeckt bleiben konnte: Abottabad liegt nur etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, wo sich auch das Hauptquartier des pakistanischen Geheimdienstes befindet. Experten zufolge verstärkt sich der Verdacht, dass Pakistans weit verbreiteter Geheimdienst ISI, der schon lange Kontakte zu Extremistengruppen pflegt, womöglich auch Verbindungen zu Bin Laden unterhielt.

Die widersprüchlichen Darstellungen der beiden Ländern unterstreichen einmal mehr die unterschiedlichen Interessen der USA und Pakistans. Die Schwäche Bin Ladens zu betonen, macht es für Pakistan weniger schlimm, dass der Al-Kaida-Chef so lange unentdeckt im eigenen Land bleiben konnte. Für die USA dagegen sieht die Ergreifung Bin Ladens noch besser aus, wenn sich zeigt, wie mächtig und einflussreiche er bis zuletzt gewesen ist.

Racheakte befürchtet
Ungeachtet dessen stellen sich Politiker weltweit auf Vergeltungsschläge von Extremisten ein. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte der "Welt am Sonntag": "Al-Kaida wird jetzt beweisen wollen, dass es als Netzwerk weiter funktioniert." US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano betonte, Al-Kaida und die Verbündeten des Netzwerkes hätten weiter den Westen als Angriffsziel im Auge. Die USA müssten wachsam bleiben.

Laut einem US-Geheimdienstmitarbeiter gilt es als wahrscheinlich, dass der Al-Kaida-Vize Ajman al-Sawahri nun die Führung des Netzwerkes übernimmt. Allerdings erfreut sich al-Sawahri offenbar nicht der gleichen Beliebtheit wie Bin Laden. "Bei einigen Al-Kaida-Mitgliedern gilt er als kontrollsüchtig, als jemand, der alles selbst bestimmen will und als nicht besonders charismatisch", sagte der Mitarbeiter.

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