Zehntausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Ägypten

Zehntausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Bei einer Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben Kampfparolen für die Sache der Palästinenser die Rufe nach mehr religiöser Toleranz übertönt. Zehntausende skandierten am Freitag Parolen wie "Abbas und Haniyeh, lasst das Gewehr nicht los". Der Spruch bezog sich auf Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und den Führer der islamischen Hamas in Gaza, Ismail Haniyeh. Vertreter der Muslimbruderschaft bekräftigten die Forderung nach einem unabhängigen Palästinenser-Staat. Überall wehten palästinensische Fahnen.

An diesem Sonntag begehen die Palästinenser den sogenannten Nakbah-Tag, den "Tag der Katastrophe". Er erinnert an die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948, der mit der Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden Palästinensern aus dem vormals britischen Mandatsgebiet einhergegangen war. Mehrere tausend ägyptische Aktivisten wollen deshalb am Sonntag über den Grenzübergang Rafah in den palästinensischen Gazastreifen marschieren. Politiker und Behörden warnten allerdings mit Blick auf die aktuell schwierige Situation.

Religiöse Toleranz gefordert
Zuvor hatte die Menge auf dem Tahrir-Platz mehr religiöse Toleranz gefordert. "Man wird uns nicht auseinanderdividieren, der Halbmond und das Kreuz stehen vereint", rief ein Redner. Bei schweren Zusammenstößen zwischen koptischen Christen und radikalen Muslimen im Kairoer Armenviertel Imbaba waren vor knapp einer Woche 15 Menschen getötet und 240 weitere verletzt worden.

Hintergrund war die Liebesbeziehung einer zum Islam konvertierten Christin mit einem Muslim. Sogenannte Salafisten - Anhänger einer besonders dogmatischen Strömung des sunnitischen Islam - waren vor die St. Mina-Kirche gezogen, weil sie vermuteten, dass dort die erst kürzlich zum Islam konvertierte Frau gegen ihren Willen festgehalten werde. Die Behörden verhafteten inzwischen die Frau, ihren muslimischen Liebhaber und rund 200 weitere Personen.

Rund 30 000 koptische Christen demonstrierten am Freitag vor dem Fernsehgebäude in Kairo wegen der Angriffe auf zwei Kirchen in Imbaba. Sie forderten die Behörden auf, schärfer gegen islamistische Extremisten vorzugehen.

Indes verhängte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen die Ehefrau des im Februar gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. Die Behörde verdächtigt Suzanne Mubarak der Veruntreuung staatlicher Gelder und der illegalen Bereicherung, berichtete das staatliche ägyptische Fernsehen. Sie muss für vorerst 15 Tage ins Frauengefängnis Al-Kanatir bei Kairo. Hosni Mubarak steht derzeit in einem Krankenhaus in Scharm el Scheich (Sinai) unter Arrest. Gegen ihn ermitteln die Behörden wegen Amtsmissbrauchs und Korruption. Auch die gemeinsamen Söhne Gamal und Alaa sind in Untersuchungshaft.

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