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Herbert Bauernebel

GOP-"Reality"-Seifenoper: Jetzt kommt Newt

Die Bankrott-Erklärung in Zeitlupe der sogenannten "Grand Old Party" (GOP) schreitet voran: Der jüngste Erlöser ist Newt Gingrich! Erlöser vom logischem, und gegen Obama einzig chancenreichen Kandidaten Mitt Romney, den jedoch die ultrarechte "Tea Party"-Republikanerbasis wegen zu moderater Ansichten nicht ausstehen kann.

Newt also! Was für eine Lichtgestalt in dem GOP-"Trainwreck": Gingrich ist ein Dinosaurier der US-Politik, blamabel gescheitert schon unter Clinton als "Speaker" mit seiner Republikaner-Revolte. Dann dümpelte er als Lobbyist durch Washington: Besonders peinlich ist heute sein $1,8-Mio.-Vertrag mit dem Mortage-Giganten "Freddie Mac", in den fast $100 Mrd. an Steuer-Rettungsgelder flossen und der gemeinsam mit "Fannie Mae" als Sinnbild des Ramschkredit-Wahsinns gilt, der den 2008-Crash mitauslöste.

Legendär frelich Gingrichs Rolle als Scheinheiliger: Er ließ sich von seiner heutigen, dritten Ehe-Frau Callista als damalige Mätresse Oralsex im Auto geben - während er gleichzeitig Bill Clinton wegen gleichartiger Umtriebe mit Monica Lewinsky im Oval Office verdammte. Zu Beginn seiner Kampagne rannte Gingrich der halbe Stab weg, als ein Kredit von 500.000 Dollar beim Nobel-Juwelier Tiffany für Callistas Schmuckvorlieben bekannt wurde und Gingrich lieber zu einer Kreuzfahrt in die Ägäis aufbrach anstatt wahlzukämpfen. Kein Wunder dass seine Präsidentschaftskampagne als Witz galt, mehr als Buchtour zum Verkauf seiner Amerikahuldigung "A Nation Like no Other".

Jetzt - vier Wochen vor dem Start der Vorwahlsaison - führt Gingrich plötzlich in Iowa mit 26 % vor Romney (18 %), auch in New Hampshire ist er Romney schon auf den Fersen, obwohl der dort praktisch in einem Dauerwahlkampf sein Quartier aufschlug. Newt selbst, wortgewaltig und selbstbewusst wie eh und je, tönte bereits: "Ich werde der GOP-Kandidat sein!" Obama gegen Gingrich? Nichts scheint in dieser heurigen Republikaner-Seifenoper mehr undenkbar. Es scheint als hätte ein substantieller Teil der Parteigetreuen kollektiv den Verstand verloren - vielleicht auch durch die immer absurdere Polemik durch Fox News, Rush Limbaugh oder der rechten "Blogosphäre". Die Folge waren kometenhafte Auf- und Abstiege von "Anti-Romneys": Zuerst der Senkrechtstart von Michele Bachmann, bis sie Elvis Presley "Happy Birthday" am Todestag wünschte. Dann Rick Perry: Optisch ein Strahlemann wie aus einer "Rogaine"-Werbung, bis er den Mund öffnete und sich an seine eigenen Wahlkampfideen in 50 qualvollen Debatten-Sekunden partout nicht erinnern konnte.

Es folgte Herman Cain: Die Kampagne des schwarzen Ex-Pizzakettenchefs war natürlich auch gedacht als Buchtour, doch plötzlich wurde er als "Herminator" zum Frontrunner, bis seine fast DSK-würdiger Appetit auf außerehelichem Sex samt oftmals ausfahrender Grapschkrallen ruchbar wurden. Während das Theater der letzten Monate sicher guten Stoff für quotenträchtiges Reality-TV abgegeben hätte, stellen sich die verbliebenen, noch verstandbestückten Parteigranden die bange Frage: Wer soll Obama 2012 schlagen? Dessen Team fürchtet bisher nur Romney: Praktisch alle Attacken des White House sind gegen den "Wendehals" gerichtet, der zu praktisch jeden Thema in den letzten Jahren jede denkmögliche Meinung vertreten hatte. Doch Romney wird, besonders bei andauernd mieser Wirtschaftslage im nächsten Jahr zugetraut, wahlentscheidende Wechselwähler auf seine Seite ziehen zu können. Obama & Co. hoffen aber weiter, dass der grassierende GOP-Wahnsinn doch noch mit Newt oder sonstwem einen fast unwählbaren Kandidaten hervorbringt. Ist Wahnsinn zu hoch gegriffen? Letztes Beispiel: Reality-TV-Star Donald Trump soll in Iowa die nächste TV-Debatte moderieren...

Mehr von unserem US-Korrespondeten Herbert Bauernebel finden Sie hier auf AmerikaReport.com

Autor: Herbert Bauernebel
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