New York ärger paralysiert als nach 9/11

Die große Lähmung

New York ärger paralysiert als nach 9/11

Das schien seit der 108-jährigen Existenz der "Subway" offensichtlich, doch wird nun nach Supersturm "Sandy" brutal bestätigt: Am Mittwoch versank die 8,2-Millionen-Einwohner-Metropole im totalen Verkehrschaos, das Straßenraster wurde ein einziger riesiger, hupender Parkplatz. Ich selbst benötigte für wenige Blöcke vom Hotel am Weg zur 59th-Street-Brücke eineinhalb Stunden, einige unserer Freunde, die vom stromlosem Downtown flüchteten saßen vier Stunden lang nach Midtown im Taxi.

Die Nerven liegen in der Stadt blank, die Stimmung droht zu kippen – es fehlt der Zusammenhalt wie nach dem Terror-Horror des 11. September. Taxi-Fahrer verweigern Fahrten zu den gewünschten Adressen, schlagen verzweifelten Leuten die Türe vor der Nase zu. Vor unserem Hotel an der 42. Straße wurde ein Geschäftsmann so wütend, dass er einem "Yellow Cab" seine Aktentasche nachwarf. Vor den wenigen Bussen kam es Rempeleien. Doch wer es rein schaffte, steckte im Riesenstau ohnehin fest. Am besten kommt man zur Zeit in Manhattan zu Fuß, am Fahrrad oder Razor voran.

Am Donnerstag nahm die Subway wenigstens am halben Streckennetz den Betrieb auf: Prompt kam es zu gefährlichen Drängereien auf den Bahnsteigen. Der Betreiber MTA veröffentlichte eine neue "Sandy"-Karte der Routen. Es ist ein Schock: Es gibt keine Linien im unteren Drittel Manhattans, alle Verbindungen nach Brooklyn sind dort ebenfalls nur mehr in leichter Schattierung eingetragen. Heißt: Stillgelegt bis auf weiteres wegen gefluteter Tunnel. Nach 9/11 gab es auch eine neue Karte: Doch da blieben 95 % des Steckennetzes intakt. Jetzt ist das Verkehrs-Rückgrat der Metropole gebrochen.

Am schlimmsten jedoch: Manhattan ist weiter zweigeteilt. Südlich der 35. Straße gibt es nach wie vor keinen Strom. Ich sah bei der Rückfahrt über die Brooklyn Bridge die abgedunkelte Skyline von Lower Manhattan. Ein Anblick wie in einem "Emmerich"-Katastrophenfilm. Ironisch: Nur der Turm der Investmentbank "Goldman Sachs" war grell erleuchtet. Immer mehr flüchten nach 72 Stunden ohne Strom, Gas, Heizung, teils sogar ohne Wasser aus der "dunklen Zone" nach Norden. Dort wirkt New York fast schon wieder normal. Nun werden die Hotelzimmer knapp: Wir konnten für das Wochenende unsere Buchungen nicht mehr verlängern, müssen Freitag in ein anderes Hotel. Und wann können wir zurück in unsere Wohnung? Unser Management hat bisher keine Antwort...

Mehr von unserem US-Korrespondenten Herbert Bauernebel finden Sie hier auf : www.AmerikaReport.com

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