Romney setzt auf Rechtsaußen-Vize

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Romney setzt auf Rechtsaußen-Vize

Republikaner-Kandidat Mitt Romney zieht mit dem erzkonservativen Kongressabgeordneten Paul Ryan als „Running Mate“ in die Schlacht gegen Präsidenten Barack Obama bei der 2012-Wahl am 6. November. Romney verkündete seine Vize-Wahl martialisch an einem Dock vor dem heftig mit US-Flaggen dekorierten Zerstörer „U.S.S. Wisconsin“, benannt nach Ryans Heimatstaat. Originalität der Romney-Sorte.

Obamas rechter Rivale erhofft sich durch den Ryan-Coup einen Ruck für seine zuletzt arg abgeschmierte Kampagne. Eine Fox-Umfrage hatte den Amtsinhaber zuletzt mit neun Prozent vorne, im Umfragenschnitt führt Obama ebenfalls deutlich mit 48,3 zu 44,1 Prozent.

Das Gespann Romney-Ryan sei Garant für „Amerikas Comeback“, jubelte Romney vor tausenden Fans. Das One-Percenter-Duo brach auf zu einer Bus-Tour durch vier Schaukelstaaten. Romney braucht dringend sein eigenes Comeback: Unter Obamas brutaler Barrage negativer TV-Spots, wo Romney als skrupelloser Ex-Gierbanker gebrandmarkt wurde, sanken seine Sympathiewerte auf 40 %. Romneys heftiges Fettnapf-Treten der letzten Wochen führte zu Panik unter GOP-Parteigrößen.

Die Kür des erst 42-Jährigen, messerscharfen, doch radikal konservativen Chefs des Haushaltsauschusses im Repräsentantenhaus birgt jedoch gewaltige Risiken. Ob es zum erhofften "Game Change", einer Wende im Wahlkampf, führt, bleibt abzuwarten.

Zwar kann der aufsteigende „Rockstar“ der Rechten und Liebling der extremen „Tea Party“ die wegen Rommeys Wischi-Waschi-Wahlkampf frustrierte Parteibasis wieder motivieren. "Ryan ist dazu eine Wahl, die sowohl die Partei-Intelligenzia als auch Tea-Party-Rebellen zufriedenstellt", analysierte NBCNews, Dazu erhofft sich Romney von Ryan jugendliche Dynamik für die Kampagne und eine scharfe Abrechnung mit Obamas Schuldenpolitik (über eine Billion Dollar Defizit die letzten vier Jahre). Ryan stammt dazu aus dem Schaukelstaat Wisconsin, in dem Romney zuletzt vier Prozentpunkte zurücklag.  

Doch Ryan ist für Demokraten wie Mittelklasse ein rotes Tuch - er könnte vor allem die essentiellen Wechselwähler abschrecken: In seinem Budgetentwurf verlangt er einen radikalen Kahlschlag im Sozialnetz, bei neuen Steuergeschenken für Superreiche. Umstritten vor allem seine Ideen zur Reform der Gesundheitsvorsorge für Alte und Arme: Die sollen statt medizinischer Versorgung Gutscheine zum Kauf sündteuerer Privatkassen erhalten. Bereits früher hatte Obama das Ryan-Budget als „sozialen Darwinismus“ gebrandmarkt. Ryan war dazu die Speerspitze bei Bushs verpufften Plänen, das Pensionssystem "Social Security" zu privatisieren. Dazu hatte Ryan, der Obama und die "Dems" gerne wegen ihres "verantwortungslosen Schuldenmachens" geißelt, selbst für Bushs Reichensteuergeschenke und die Kriege im Irak und Afghanistan gestimmt, die gewaltige Löcher ins US-Budget rissen. Ryan hat obendrein keine außenpolitische Erfahrung, Apo-Profi Biden dürfte sich auf die Vize-Debatten bereits freuen.

Und auffällig war gleich bei Ryans erster Ansprache: Der eloquente Redner überschattet seinen hölzernen Boss gewaltig - fast wie einst Sarah Palin John McCain. Und wir wissen, wie das ausging ...

Mehr von unserem US-Korrespondenten Herbert Bauernebel finden Sie hier auf AmerikaReport.com

Autor: Herbert Bauernebel, USA
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