Rebellen: Bis Montag soll Tripolis fallen

Libyen

Rebellen: Bis Montag soll Tripolis fallen

Die Entscheidungsschlacht um die libysche Hauptstadt Tripolis hat begonnen. Nach nächtlichen Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen gab es am Sonntag in mehreren Stadtvierteln heftige Gefechte. Im Laufe des Tages drangen die Rebellen nach Berichten von Augenzeugen immer weiter in die Hauptstadt vor. Nach Spekulationen über seine Flucht aus Tripolis meldete sich Machthaber Muammar al-Gaddafi am Abend im Staatsfernsehen in einer Telefonbotschaft zu Wort und rief die Libyer dazu auf, die Hauptstadt bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen.

Rebellen in Tripolis einmarschiert

Die Rebellen in Libyen rechnen mit einer baldigen Einnahme der Hauptstadt Tripolis. Tripolis werde "bis morgen eingenommen sein", sagte einer der Militärchefs der Rebellen am Sonntag in Benghazi. "Wir werden in einigen Stunden in Tripolis einmarschieren. Wir hoffen, dass (die Stadt) bis morgen unter unserer Kontrolle sein wird."

Augenzeugen berichteten, die Rebellen hätten in Tripolis den internationalen Verkehrsflughafen sowie den Militärflughafen Mitiga eingenommen. Gaddafi-Anhänger hätten den Stadtteil Tajura, in dem die Rebellen bereits in der Nacht die Kontrolle übernommen hatten, mit Mörsergranaten beschossen. Nach Angaben aus der Gaddafi-Regierung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sind am Samstag und Sonntag insgesamt 376 Personen bei den Kämpfen getötet worden.

Auch das große Viertel Souk al-Jumaa werde inzwischen von den Rebellen kontrolliert. Anrainer hörten in der Nacht auch Schüsse und Luftangriffe der NATO. Aus gut unterrichteten Kreisen hieß es, die Rebellen hätten das Haus von General Al-Khwaildi Al-Hmeidi, einem engen Vertrauten Gaddafis, im Stadtteil Al-Andalus umzingelt. Rebellen berichteten, sie hätten ein Gefängnis gestürmt und Tausende politische Häftlinge befreit.

Verstärkung für die Rebellen
Im Laufe des Sonntags bekamen die Aufständischen Verstärkung aus ihren Hochburgen Misrata und Zlitan in Tripolis. Nach Augenzeugenberichten trafen Rebellen auf dem Seeweg in der libyschen Hauptstadt ein, um dort in die Kämpfe einzugreifen. Von Osten her seien Aufständische auch auf dem Landweg weiter auf Tripolis vorgerückt und ständen nur noch etwa 27 Kilometer vor den Toren der Stadt, hieß es.

Diktator ruft zur Entscheidungsschlacht
Gaddafi wandte sich in einer vom Fernsehen ausgestrahlten Audio-Botschaft an die Menschen; selbst war er nicht zu sehen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete, versicherte Gaddafi, er sei noch in Tripolis, und seine Truppen würden niemals aufgeben. "Wir werden den Sieg erringen", rief er und beschwor seine Anhänger, von überall her in die Hauptstadt zu kommen. Der seit 41 Jahren herrschende Machthaber kündigte an, dazustoßende Unterstützer mit Waffen zu versorgen. Er habe Sorge, "dass Tripolis brennen wird", sagte Gaddafi.

Das libysche Fernsehen hatte in der Nacht eine im Voraus aufgezeichnete Rede von Gaddafis Sohn Saif al-Islam ausgestrahlt. Darin sagte dieser, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verlassen würden. In einer während der Gefechte im staatlichen Fernsehen übertragenen Audiobotschaft nannte Gaddafi die Rebellen "Verräter" und "Ratten". Die europäischen Länder und namentlich Frankreich bezichtigte er, hinter dem libyschen Öl her zu sein.

USA: "Gaddafis Tage sind gezählt"
Die USA rechnen damit, dass Gaddafis Tage nunmehr gezählt sind. "Das libysche Volk verdient eine gerechte, demokratische und friedliche Zukunft", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest am Sonntag. Präsident Barack Obama hält sich nach seinem Angaben auch im Urlaub ständig über die Entwicklung in Libyen auf dem Laufenden. Zudem sei man mit dem Nationalen Übergangsrat in Libyen in engem Kontakt.

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