1. Klasse-Service für wohlhabende Bürger im Stadion 1. Klasse-Service für wohlhabende Bürger im Stadion

Feuerhölle

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1. Klasse-Service für wohlhabende Bürger im Stadion

Als vor zwei Jahren der Hurricane in New Orleans tausende Schwarze Einwohner, die ihr Hab und Gut verloren hatten, in das Stadion der Stadt zwang, gab es kaum etwas zu essen, geschweige denn Hygiene-Vorkehrungen für die Flüchtlinge.

Im Stadion der wohlhabenden kalifornischen Stadt San Diego in Südkalifornien sieht das Service gottlob anders aus: Das Qualcomm Stadion bietet nicht nur erstlassiges Essen, sondern auch Yoga, Akupunktur und sogar ein eigenes Kinderprogramm für die dort untergebrachten Familien. Und für jüdische Opfer gibts sogar koscheres Essen. Alles Dienstleistungen, die sonst nur in Hotels der Nobelklasse Standard sind.

Rund 10.000 Menschen befinden sich derzeit dort, wo sonst die San Diego Chargers spielen, das Football-Team der südkalifornischen Stadt. Die Behörden und Freiwillige bemühen sich, den Opfern der Brände den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Auf Tischen stapelt sich das Essen: Früchte, Plätzchen, belegte Brote und zum Abendessen gab es sogar Braten mit Gemüsebeilage, Salat und Reis. Für jüdische Opfer der Brände stellen die Helfer koscheres Essen bereit.

Während in New Orleans vor allem die ärmsten Bürger der Stadt im Superdome-Stadion Zuflucht fanden, kommen hier viele Flüchtlinge aus wohlhabenden Gegenden San Diegos.

Akupunktur, Luftballons, TV-Schirme
Helfer bieten Akupunktur an, Schilder weisen auf Yoga- und Meditationsangebote hin. Die Menschen können sich massieren lassen oder die Hilfe von Psychologen in Anspruch nehmen. Für die Kinder macht ein Clown Tiere aus Luftballons, Freiwillige bemalen die Gesichter der Kleinen und ein Bauchredner hält sein Publikum bei Laune.

Es wird auch sichergestellt, dass die Menschen informiert sind über das, was in ihren Wohngegenden vor sich geht: Auf Fernsehschirmen können sie die Nachrichten sehen, und damit sie in Kontakt mit Familie und Freunden bleiben können, gibt es extra Aufladestationen für Handys.

Keine Spenden mehr nötig
Die Versorgungslage war am Dienstagabend so entspannt, dass der Bürgermeister San Diegos mitteilte, weitere Spenden würden nicht mehr gebraucht. Die ganze Gemeinschaft habe unglaublich gut in dieser Situation reagiert, sagt der in San Diego geborene Tony Greco. "Ich bin stolz auf meine Stadt."

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Mindestens fünf Menschen sind in Folge der seit drei Tagen anhaltenden heftigen Waldbrände in Kalifornien mittlerweile ums Leben gekommen. Wie die Behörden am Dienstag weiter mitteilten, wurden zudem mehr als drei Dutzend Menschen verletzt, darunter 18 Feuerwehrleute. Mindestens 16 Feuer hätten weite Landstriche zwischen Santa Barbara bis zur mexikanischen Grenze zerstört, berichtete die britische BBC am Mittwoch. Der US-Nachrichtensender CNN meldete, eine Fläche von 1.600 Quadratkilometern sei verbrannt. Das entspricht der vierfachen Fläche Wiens.

Hier geht es zur Wetter-Prognose für Kalifornien.

Bush soll Kalifornien zu Katastrophengebiet erklären
Gouverneur Arnold Schwarzenegger forderte Präsident George W. Bush auf, die Region zum Katastrophengebiet ("major disaster") zu erklären. Er erhoffte sich dadurch mehr Unterstützung von bundesstaatlicher Seite. Die Behörden Kaliforniens seien von der Härte und dem Ausmaß der Brände überfordert, sagte Schwarzenegger.

Das US-Verteidigungsministerium hat Truppen und Feuerwehrausrüstung nach Kalifornien entsandt, um die Bekämpfung der Waldbrände zu verstärken. Außerdem wurden Hilfsgüter zur Versorgung der Evakuierten geschickt.

Bush reist morgen an
Bush will am Donnerstag in das Gebiet reisen und sich persönlich ein Bild der Lage machen. Bush hatte in sieben betroffenen Gebieten Bundesnotstand ("federal emergency") ausgerufen.

Fünf Tote und mindestens 45 Verletzte
Rund 1.300 Häuser seien ein Raub der Flammen geworden. Die Winde, die die Brände immer wieder entfacht hatten, schwächten sich laut CNN unterdessen leicht ab. Nach Angaben lokaler Radiosender kamen bisher fünf Menschen ums Leben, mindestens 45 seien verletzt worden - unter ihnen mehrere Feuerwehrleute.

Halbe Million Menschen in Notunterkünften
Allein im Bezirk San Diego seien mehr als eine halbe Million Menschen aufgefordert worden, Schutz in Schulen und Notunterkünften zu suchen. Viele harrten im Qualcomm-Sportstadion in San Diego aus. Bis Dienstagabend wurden CNN-Angaben zufolge 350.000 Häuser evakuiert, damit seien wahrscheinlich knapp eine Million Bürger von dem Inferno betroffen. Mehr als 6.000 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen. "Es war wie Armageddon, es sah aus wie das Ende der Welt", sagte ein Feuerwehrmann.

Angefacht von heißen Winden wüteten immer noch mehr als ein Dutzend Brände zwischen Santa Barbara nördlich von Los Angeles und der mexikanischen Grenze.

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