5.000 Österreicher auf der Terrorinsel

Mallorca-Anschlag

5.000 Österreicher auf der Terrorinsel

Alarmstufe Rot auf Mallorca: Auch Tage nach dem Attentat werden am Flug- und Schiffshafen Ausreisende durchsucht, es gibt stundenlange Verspätungen. Hunderte Polizisten durchstreifen die Straßen. Es herrscht Angst vor einem neuen Angriff. Mitten in der Gefahrenzone: 5.000 Österreicher.

Suche nach 6 Attentätern
Eine Autobombe hatte am Donnerstag die Polizisten Carlos Sáenz (28) und Diego Salva (27) getötet. Verantwortlich für den Angriff soll die baskische Untergrundorganisation ETA sein. Fahndungsfotos zeigen sechs ETA-Mitglieder. Unter den Hauptverdächtigen: Zwei Frauen.

mallorca2 © Reuters
Foto: (c) Reuters

Aus Frankreich eingereist
Die Terroristen sollen sich schon länger in Spanien aufhalten, sehr ortskundig sein und aus dem französischen Baskenland eingereist sein. Die Sechs sollen nicht nur für dieses Attentat, sondern auch für eines in Nordspanien in Burgos verantwortlich sein – dort gab es weitere 65 Verletzte.

Terror-Pärchen noch auf Insel
Die Autobombe auf Mallorca soll von einem baskischen Liebespärchen gelegt worden sein. Sie wohnten einige Tage lang in einem Hotel in der Nähe und spähten den Tatort genauestens aus. Sie sollen sich derzeit noch auf der Insel versteckt halten.

5.000 Österreicher vor Ort
Vom Terror-Chaos geschockt sind 5.000 Österreicher, die auf Mallorca leben oder dort gerade auf Urlaub sind. „Auf der Insel ist sehr viel Polizei unterwegs, die Straßen sind gesperrt“, sagt Rechtsanwalt Gunter Roth aus Knittelfeld.

Indirekt betroffen ist Josef Egger aus Wien: Der Chef des Vereins der Österreichischen Freunde Mallorcas muss ein Riesen-Event verschieben. „Auf Mallorca herrschen jetzt drei Trauertage. Es ist verboten, dass in öffentlichen Gebäuden Veranstaltungen stattfinden. Ich muss jetzt 600 Gäste ausladen.“ Es herrschen Zorn, Betroffenheit und Angst. Immobilien-Expertin Heidi Stadler: „Terror ist etwas, mit dem man offenbar leben muss.“

Von langer Hand geplant
Der Angriff war lange geplant. 2008 soll in einem Auto ein präzises fotografisches Dossier der Hafenanlage von Palma gefunden worden sein. Die Behörden waren gewarnt, die Polizeipräsenz auf Mallorca wurde wegen des gestrigen 50. Geburtstag der ETA deutlich verstärkt.

Wir haben mit Heidi Stadler vor Ort gesprochen.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie das Bomben-Attentat miterlebt?

Heidi Stadler: Es passierte nur wenige Kilometer von mir entfernt. Meine Mitarbeiterin rief an, dass alles auf der Insel abgesperrt ist, weil eine Bombe explodiert ist. Ich habe Hubschrauber und Sirenen gehört. Überall gab es Verspätungen.

ÖSTERREICH: Wie ist die Stimmung am Tag danach?

Heidi Stadler: Die Polizei sucht fieberhaft nach den Tätern. Alles ist abgesperrt, Hunderte Polizisten in zivil sind unterwegs.

ÖSTERREICH: Was bedeutet das für die Bevölkerung auf Mallorca?

Heidi Stadler: Es ist ein Riesen-Schock für ganz Mallorca. Die Betroffenheit ist sehr groß. Mallorca hat so viele positive Seiten – jetzt gibt es wegen Schweinegrippe und Terror nur noch Negativ-Schlagzeilen.

ÖSTERREICH: Haben Sie Angst vor weiteren Terror-Akten?

Heidi Stadler: Wir haben Vertrauen in die Sicherheit, aber es ist ein totaler Schock. Wir müssen offenbar lernen, mit Terror zu leben.

Das Interview mit Susi Benedikt:

ÖSTERREICH: Sie leben auf Mallorca. Wie haben Sie vom Attentat erfahren?

Susi Benedikt: Ich war zum Zeitpunkt der Detonation unterwegs. Meine Familie aus Österreich hat mich angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung ist. Ich habe sofort den Fernseher aufgedreht. Alle Stationen haben stundenlang live berichtet.

ÖSTERREICH: Wie sehr sind die Bürger eingeschränkt?

Susi Benedikt: Die Aufregung und das Chaos sind groß – so, als würde die Ringstraße in Wien brennen. Autos werden verschärft kontrolliert, man sieht viel Polizei auf den Straßen. Bei den wichtigsten Kreisverkehren in Palma stehen Polizei-Patrouillen.

ÖSTERREICH: Wie reagieren die Einheimischen?

Susi Benedikt: Es regieren Zorn, Trauer und Unverständnis. Heute ist das Attentat Gesprächsthema Nummer 1 in den Cafés. Ich lebe seit 14 Jahren auf Mallorca, die Angst vor der ETA ist hier leider immer allgegenwärtig. Aber jetzt ist der Terror bei uns angekommen.

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