Ärztin weist Burschen wegen Vornamen ab

"Heiliger Krieg"

© dpa/A3472 Frank May

Ärztin weist Burschen wegen Vornamen ab

Eine deutsche Kieferorthopädin hat einen 16 Jahre alten Jugendlichen nicht behandelt, weil er mit Vornamen Cihad (arabisch-türkisch, Aussprache:"Dschihad") heißt. Die Fachärztin störte sich laut "Schwarzwälder Boten" vom Freitag daran, dass der Name auch "Heiliger Krieg" bedeutet. Die Medizinerin entschuldigte sich inzwischen für ihr Verhalten.

"Heiliger Krieg"
Die Ärztin sagte der Zeitung zufolge, ihr sei der Name des Jugendlichen beim Blick auf das Patientenblatt "wirklich übel aufgestoßen", sie habe aber sicher gehen wollen, ob er auch wirklich die Bedeutung "Heiliger Krieg" habe. Im Wartezimmer habe sie den türkischen Jugendlichen unter vier Augen angesprochen, ihn gefragt, wie die Bedeutung seines Namens sei.

Kriegserklärung
Als der 16-Jährige antwortete, dass das Wort "Heiliger Krieg" bedeute, habe sie seine Behandlung abgelehnt, "das empfinde ich als Kriegserklärung gegen alle Nicht-Islamisten. Ich will nichts mit gewaltbereiten Menschen zu tun haben", wurde die die Frau zitiert.

Dem Bericht zufolge reagierte der Jugendliche betroffen. Er habe der Ärztin erklärt, dass Cihad ein durchaus gängiger türkischer Vorname sei und dass in so einem freien Land doch eigentlich jeder das Recht haben solle, so zu heißen, wie er wolle. Die Eltern reagierten schockiert und wiesen darauf hin, dass sie den Namen ausgewählt hätten, weil er ihnen gefalle, nicht aus islamistischen Motiven.

Entschuldigung nicht angenommen
Der Vater setzte sich laut "Schwarzwälder Boten" mit der Frau in Verbindung. Die Ärztin erklärte, der Vater habe ihr zwar gesagt, dass der Name Cihad auch noch viele andere Bedeutungen habe - welche, daran erinnere sie sich nicht mehr so genau. Der Vater aber habe ihre Entschuldigung nicht angenommen, als sie sagte: "Wenn Sie Ihrem Sohn den Namen in einem anderen Sinn gegeben haben als in dem kriegerischen, dann entschuldige ich mich und Ihr Sohn bekommt sofort einen Termin."

Nach Angaben der Landesärztekammer Baden-Württemberg ist generell in Deutschland kein Arzt dazu verpflichtet, einen Patienten zu behandeln, "wenn es sich nicht um einen Notfall handelt". Dass allerdings der "falsche Vorname" ein Grund dafür sei, dass ein Patient abgelehnt werde, das sei dann doch "etwas außergewöhnlich", meist stimme stattdessen einfach "die Chemie nicht zwischen Arzt und Patient", wurde der Sprecher der Landesärztekammer zitiert.

Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz zeigte sich "zutiefst erschreckt" über den Fall. "Das ist ein Beweis dafür, dass die Hetze gegen Muslime in unserem Lande Früchte trägt", sagte Benz der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe). Das sei "mehr als theoretische sogenannte Islam-Kritik, die sich irgendwo in den Zeitungsfeuilletons abspielt".

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