Aktivisten besetzten Eiffelturm

Vor Expertentreffen

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Aktivisten besetzten Eiffelturm

Zum Auftakt des UN-Expertentreffens zum Klimawandel in Paris sind rund zwanzig Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den Eiffelturm geklettert. Sie rollten am Montag oberhalb der zweiten Etage ein 25 auf zehn Meter großes Banner mit der Aufschrift "It is not too late" (Es ist nicht zu spät) sowie ein kleineres Transparent mit dem Schriftzug "Greenpeace" aus, um zum Kampf gegen die Erderwärmung aufzurufen.

Riskantes Unternehmen
Im Laufe des Nachmittags sollte laut der Organisation ein 50 Meter langes Banner in Form eines Riesenthermometers aufgehängt werden. Es war zunächst unklar, ob den Aktivisten dies noch gelingen wird.

Klima-Alarm auf der ganzen Welt
Die Greenpeace-Aktion findet vor dem Hintergrund der sich zunehmend häufenden Wetterkapriolen statt. Herbststürme und Frühlingstemperaturen haben die Angst vor dem Klimawandel zum Jahresbeginn tiefer denn je ins Bewusstsein der Menschen getrieben. US-Präsident George W. Bush spricht erstmals von einer ernsthaften Bedrohung. Vergangene Woche verkündeten führende Unternehmer in Davos, ihre Anstrengungen zur Reduzierung des C02-Ausstoßes zu verstärken. Einen weiteren Versuch, Öffentlichkeit und Regierungen aufzurütteln, unternehmen in dieser Woche 500 Wissenschaftler in Paris.

Forscher aus 154 Staaten beteiligt
Seit Montag legen die Experten und Vertreter von 154 Staaten dort letzte Hand an den vierten so genannten IPCC-Bericht. Der IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist der Klimaausschuss der Vereinten Nationen, er liefert alle fünf bis sechs Jahre die verlässlichste wissenschaftliche Auswertung über die Erderwärmung, ihre Gründe und Auswirkungen.

Am Freitag wird der jüngste Bericht veröffentlicht, und er soll ein für alle Male die Zweifel an der Verantwortung des Menschen ausräumen. IPCC-Präsident Rajendra Pachauri kündigte am Montag "zahlreiche Beweise" an, dass der CO2-Ausstoß den Klimawandel beeinflusst. "Ich hoffe, die Studie wird die Menschen schockieren und die Regierungen zum Handeln bringen."

Bis 2100 wird es um 4,5 Grad wärmer
Im dem Entwurf heißt es, nach einer Erwärmung von 0,8 Grad im vergangenen Jahrhundert würden sich die Temperaturen bis 2100 um weitere zwei bis 4,5 Grad erhöhen. Der Meeresspiegel werde demnach zwischen knapp 13 und 58 Zentimetern steigen. Die Zahlen sind weniger dramatisch als im Bericht von 2001, in dem ein Temperaturanstieg von bis zu 5,8 Grad und ein Meeresspiegelanstieg von bis zu 88 Zentimetern prognostiziert wurde.

Umstrittene Ergebnisse
Mehrere Experten haben die neuen Zahlen bereits zurückgewiesen, weil jüngste Entwicklungen wie die unerwartet starke Eisschmelze in Grönland und der Antarktis nicht berücksichtigt worden seien. Eine im Jänner in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlichte Studie geht von einem Anstieg des Meeres um 51 bis 140 Zentimeter aus.

Grundsätzlich sind die Prognosen des IPCC zurückhaltend. Zum einen finden aktuellste Entwicklungen - wie die Eisschmelze - wegen der Komplexität der Daten und Berechnungsmodelle keinen Eingang. Zudem arbeiten Vertreter der Industrie sowie aus Staaten wie Saudi-Arabien, die vom Ölexport leben, mit. Der Report muss nicht zuletzt von den Mitgliedstaaten einstimmig verabschiedet werden. Kritiker attestieren dem IPCC eine Tendenz, das Risiko zu unterschätzen. Gerade deswegen kommen jedoch selbst Regierungen wie die USA, die die Erderwärmung lange in Frage stellten, an seinen Befunden nicht vorbei.

Umweltorganisationen appellieren an Bevölkerung
Die französische L'Allicance pour la Planete, ein Zusammenschluss wichtiger Umwelt-NGOs, nutzt die Mammutkonferenz in Paris für einen Appell an die Weltbevölkerung. Die Bürger sollten der Erde eine kurze Atempause verschaffen und am Donnerstag von 19.55 bis 20.00 alle elektrischen Geräte abschalten, fordert die Allianz. Es ist der offizielle Zeitpunkt für die Veröffentlichung des IPCC-Berichts.


Um die Konzentration des Treibhausgases in der Atmosphäre zu verhindern müsse der Westen seine CO2-Emissionen auf ein Viertel reduzieren, erklären die Aktivisten. Ein Ziel, das nur durch eine grundlegende Umstellung der Lebensgewohnheiten zu erreichen wäre. Dem Klimaexperten Marc Jankovici werden für die Beleuchtung eines Hauses in fünf Minuten zehn Gramm CO2 in die Atmosphäre gepustet - bei einer Autofahrt von einem Kilometer seien es zwanzig Mal so viel.

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