Amok-Finne bereitete seine Bluttat sechs Jahre vor Amok-Finne bereitete seine Bluttat sechs Jahre vor

Elf Tote in Finnland

 

© APA

Amok-Finne bereitete seine Bluttat sechs Jahre vor

Nach dem blutigen Amoklauf an einer finnischen Berufsschule hat Ministerpräsident Matti Vanhanen die Eröffnung von Ermittlungen über ein mögliches Versagen der Polizei bekanntgegeben. Untersucht würden die "Ereignisse in den Tagen vor dem Amoklauf", sagte Vanhanen am Mittwoch in Kauhajoki, wo am Vortag ein 22-Jähriger neun Mitschüler und vermutlich einen Lehrer an seiner Berufsschule erschossen hatte, bevor er sich selbst tötete.

Wie später bekanntwurde, hatte die Polizei den Täter wegen mehrerer Gewalt-Videos auf YouTube verhört, ihm die Waffenlizenz aber nicht entzogen. "Es scheint, als hätte die Polizei sofort reagiert und den jungen Mann vernommen, aber wir wissen nicht, über welche Informationen sie verfügte und warum seine Waffenlizenz nicht entzogen wurde", sagte Vanhanen weiter.

Sechs Jahre Vorbereitung
Der Mörder von zehn Mitschülern im finnischen Kauhajoki hat seinen Amoklauf sechs Jahre lang vorbereitet. Das ergab eine Durchsuchung des Zimmers des 22-jährigen Matti Saari in einem Studentenwohnheim der westfinnischen Kleinstadt. Man habe viel Material gefunden, mit dem der Schüler an der örtlichen Berufsschule seinen "grenzenlosen Hass auf alle Mitmenschen" zum Ausdruck gebracht habe, gab ein Kripobeamter Mittwoch früh im Fernsehen an.

Landesweite Trauer
Als äußeres Zeichen der Anteilnahme sollen in Finnland heute landesweit alle öffentlichen Gebäude auf Halbmast beflaggt werden.

Tod auch durch Gas und Chemie
Matti S. hat offenbar einige seiner zehn Opfer durch Brandstiftung umgebracht. Wie die Polizei am Mittwochmorgen mitteilte, starben mehrere Menschen durch Gasvergiftung, nachdem der 22-jährige Matti Saari am Vortag auch Feuer in seiner Berufsschule gelegt hatte. Er war mit einer Pistole bewaffnet sowie mit Sprengsätzen und Chemikalien in einer Tasche in die Schule gestürmt und hatte wild um sich geschossen.

Identifizierung dauert Tage
Die Identifizierung der zehn Opfer wird in einigen Fällen mehrere Tage dauern. Einige Leichen seien derart verkohlt, dass nicht einmal ihr Geschlecht festgestellt werden könne, sagte der Leiter der Ermittlungskommission, Jari Neulaniemi am Mittwoch.

Blutbad am Dienstag
Der Schüler hatte am Dienstagvormittag im Schulgebäude der südwestfinnischen Kleinstadt Kauhajoki ein Blutbad angerichtet und zehn Menschen getötet, dann schoss er sich selbst in den Kopf. Der Amokläufer hatte seinen Selbstmordversuch nur wenige Stunden überlebt. Er erlag schließlich im Krankenhaus seinen Schussverletzungen.

Matti Juhani Saari hatte eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe gemacht.

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Der Tatort/ (c) AP

Panik
Augenzeugenberichten zufolge brach in der Schule Panik aus, als der Täter das Feuer auf seine Mitschüler eröffnete. Hausmeister Jukka Forsberg berichtete, zunächst Schüsse und Schreie gehört zu haben. "Dann kamen zwei Mädchen in mein Zimmer und sagten, dass ein unheimlicher Mann um sich schießt", sagte Forsberg. Er habe einen Mann gesehen, der eine große schwarze Tasche in einem Korridor abstellte, in einen Klassenraum ging und die Tür hinter sich schloss. "Ich habe durch das Fenster geschaut und er hat sofort auf mich geschossen", sagte Forsberg weiter. "Er hat auf mich gefeuert, aber ich bin im Zickzack gelaufen. Ich bin um mein Leben gerannt." Die Schule soll bis auf weiteres geschlossen bleiben.

Sprengstoff in der Tasche?
Möglicherweise hatte der Täter Sprengstoff bei sich. Die Polizei beorderte Anti-Terror-Spezialisten in das südlich der Ostseestadt Vaasa und knapp 350 Kilometer nördlich von Helsinki gelegene Kauhajoki.

Polizei unternahm nichts
Die finnische Polizei ist nach Regierungsangaben nicht gegen Gewaltdrohungen des Amokläufers eingeschritten. Innenministerin Anne Holmlund teilte in Helsinki wenige Stunden nach dem Amoklauf mit, dass noch am Montag ein Polizeibeamter mit dem Täter gesprochen und danach keinen Grund gesehen habe, dem Mann den Waffenschein oder seine Pistole vom Typ Walther P22 abzunehmen.

Ein auf dem Internetportal Youtube veröffentlichtes Video zeige den Amokschützen bei Schießübungen, teilte Holmlund mit. Daraufhin habe ein Polizist am Montag mit dem Burschen gesprochen. Nach ihren Angaben besaß der Mann einen vorläufigen Waffenschein für eine Schusswaffe des Kalibers 22. Nach dem Gespräch sah der Polizist laut Holmlund jedoch keine Veranlassung, Waffe und Waffenschein wieder einzuziehen. In den vergangenen drei Wochen hatte ein Internetnutzer unter dem Pseudonym "Wumpscut86" insgesamt vier kurze Videos auf Youtube veröffentlicht. Darin verkündete unter anderem ein Bewaffneter: "Ihr seid die nächsten, die sterben". Die Filme wurden bereits am Dienstag aus dem Internet entfernt.

Auf seiner Profilseite fand sich auch ein Lied der Gruppe :Wumpscut: - ein Projekt des deutschen Künstlers Rudy Ratzinger - mit dem Titel "War" (Krieg). Es soll sich jedoch um ein Anti-Kriegs-Lied handeln.

Und plötzlich war Krieg und wir erinnerten uns nicht,
Lange ist es her, seit wir vergessen haben, dass Krieg war.
Und plötzlich war Krieg und unsere Kinder waren tot,
Verbrannt in den Ruinen, die vom Krieg übrig blieben.

Krieg.

Und plötzlich war Krieg und die Mütter schrien,
Nach Rache und Sanktionen für einen weiteren Krieg.

Und plötzlich und plötzlich,
Und plötzlich war Krieg mit Verderben und Tod,
Und du kämpfst alleine, wenn es einen weiteren Krieg gibt.

Das ganze Leben ist Krieg und das ganze Leben ist Schmerz,
Und du kämpfst alleine deinen persönlichen Krieg.

Krieg.

Das ist Krieg!

Verbindung zu Amoklauf vor 10 Monaten?
Die beiden Amok-Bluttaten an finnischen Schulen im Abstand von zehn Monaten stehen möglicherweise miteinander in Verbindung. Beide Verbrechen seien so ähnlich, dass ein Kontakt zwischen beiden Tätern wahrscheinlich sei, sagte Chefermittler Jari Neulaniemi.. Im November vergangenen Jahres erschoss ein 18-Jähriger an seiner Schule acht Menschen, am Dienstag waren es zehn Menschen, die dem 22 Jahre alten Täter zum Opfer fielen - acht Frauen und zwei Männer. In beiden Fällen setzten die Täter ihrem Leben selbst ein Ende. Gemeinsam war ihnen auch, dass sie sich intensiv mit dem Amoklauf in Columbine im US-Bundesstaat Colorado im Jahr 1999 beschäftigt und bei YouTube Gewaltvideos veröffentlicht hatten.

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