Papst-Attentäter

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"Besuche Grab von Johannes Paul II."

Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca soll am kommenden 18. Jänner in seinem 52. Lebensjahr aus türkischer Haft entlassen werden. Bis dahin wird er all seine Haftstrafen abgebüßt haben. Der türkische Ex-Terrorist erklärte, er wolle sofort nach seiner Freilassung das Grab von Johannes Paul II. in Rom besuchen, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag. Auf den Vorgänger des aktuellen Papstes Benedikt XVI. hatte Agca am 13. Mai 1981 ein Pistolenattentat verübt.

Zwei Millionen Dollar für Interview
Das ehemalige Mitglied der türkischen Untergrundorganisation "Graue Wölfe", das insgesamt 28 Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, will nach der Freilassung seine türkische Heimat verlassen, um sich in Italien niederzulassen, berichtete "La Repubblica" weiter. Um seinen Aufenhalt zu finanzieren, plant Agca ein Interview mit einem großen internationalen TV-Sender, das ihm ein Honorar von zwei Millionen Dollar (1,327 Mio. Euro) einbringen soll. Auch über 100 Zeitungen haben bereits ein Interview mit dem Papst-Attentäter beantragt.

Agca wird auch nicht zur türkischen Armee eingezogen werden. Ein medizinisches Attest bescheinigt ihm eine "antisoziale Persönlichkeitsstörung". Laut italienischen Presseberichten von Mai hatte Agca seine Absicht geäußert, zum Katholizismus überzutreten und sich taufen zu lassen. Er hätte gern die portugiesische Staatsbürgerschaft, sagte er. Im portugiesischen Fatima stehe die Statue der Muttergottes, die für Johannes Paul II. viel zählte. Er hatte auch die polnische Staatsbürgerschaft beantragt, dies wurde jedoch abgelehnt.

Journalisten ermordet
Zum tatsächlichen Motiv des Anschlags auf Johannes Paul II. machte Agca stets widersprüchliche Angaben. Der Papst besuchte ihn 1983, zwei Jahre nach dem Attentat, im Gefängnis und verzieh ihm. Für das Attentat verbüßte er eine 19 Jahre dauernde Haft in Italien, ehe er vom italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi im Juni des Jahres 2000 begnadigt wurde. In seiner Heimat sitzt der aus dem rechtsradikalen Milieu kommende Agca seitdem wegen der Ermordung des ehemaligen "Milliyet"-Chefredakteurs Abdi Ipekci 1979 sowie zweier ebenfalls in den 1970er Jahren begangener Raubüberfälle im Gefängnis.

Im Jänner 2006 war Agca für einige Tage auf freiem Fuß, da er nach Ansicht des zuständigen Staatsanwalts seine Strafe abgesessen hatte. Das Oberste Berufungsgericht der Türkei machte die Freilassung damals aber wieder rückgängig; Agca kam erneut in Haft. Gleichzeitig wurde die Haftzeit neu berechnet.

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