Cholera-Epidemie bedroht Haiti

Nach Jahrhundertbeben

© Reuters

Cholera-Epidemie bedroht Haiti

Schutthalden, eingestürzte Häuser, zerrissener Asphalt - und dazwischen Millionen verzweifelter Menschen, die mitten in diesem Chaos gegen Hunger und Seuchen ankämpfen. So sah Port-au-Prince am 12. Jänner 2010, unmittelbar nach der Erdbeben-Katastrophe in Haiti, aus. Zehn Monate später war Lutz Hahn, Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation World-Vision, wieder dort - und traute seinen Augen nicht: "Da hat sich überhaupt nichts verändert." Bis auf die Cholera-Epidemie, die dem Land nun droht.

Alltag weicht erneut Hoffnungslosigkeit
Exakt 303 Tote und 4.722 gemeldete Ansteckungen hat die Cholera in Haiti bisher gefordert. "Das Ansteckungsrisiko ist enorm. Wir können mittlerweile schon von einer Epidemie sprechen", berichtete Hahn am Donnerstagabend in Wien. Was erschwerend hinzu kommt: "Es gibt keine Statistiken, niemand weiß, wie lange sie noch dauert." Die Hoffnungslosigkeit ist also wieder zurückgekehrt auf die westliche Hälfte der Karibikinsel Hispaniola. Dabei war in den vergangenen Monaten fast so etwas wie Alltag eingekehrt.

Schutt in den Straßen
"Die Menschen haben sich schnell an die neue Situation gewöhnt. Das ist ganz typisch für Haiti. Sie haben auf den Trümmern ihre Marktstände errichtet - sind aber nicht auf die Idee gekommen, den Schutt wegzuräumen", sagt Hahn. Aus den vielen Camps sei die Trauer und die Resignation gewichen: "Die Menschen leben wieder, sie haben die Zeltstädte als ihr neues Zu Hause akzeptiert."

Hygieneunterricht
Auch die Strukturen kehren allmählich wieder: Es wurden Toiletten aufgestellt, Schulunterricht wird unter freiem Himmel abgehalten, Frauen werden über das Thema Hygiene informiert - und es entstehen sogar schon neue Häuser. "Es sind zwar nur Einraumhütten, aber sie sind gerade in der Regenzeit sehr wichtig, weil durch die Camps dann das Wasser schießt, alles verdreckt und wiederum zu Krankheiten führt", so Hahn.

Antibiotika und Wasserreinigungstabletten dringend benötigt
So oder ganz ähnlich muss es sich auch beim Ausbruch der Cholera zugetragen haben. Es fehle einfach am nötigen Bewusstsein, um so eine Epidemie zu verhindern. Und es fehle auch an Hygieneartikeln, Antibiotika und Wasserreinigungstabletten. "Wir sind von Zelt zu Zelt gegangen, haben Seifen verteilt und den Leuten erklärt, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen, sauberes Wasser zu trinken oder keine verunreinigte Nahrung zu sich zu nehmen."

"Haiti hat schon vor dem Beben nicht funktioniert"
"Wohnung und Cash, das ist, was die Leute in Port-au-Prince wollen, wenn man mit ihnen spricht. Man darf nicht vergessen: Haiti war schon lange vor dem Erdbeben arm und hat im Grunde nicht funktioniert", sagt auch Ton van Zutphen, Katastrophen-Einsatzleiter von World-Vision in Haiti. 80 bis 90 Prozent der Hilfe, aber auch des kommunalen Services käme von NGOs. Die haitianische Regierung wolle er nicht kritisieren, doch ohne die internationalen Organisationen wäre das Land verloren.

Der humanitäre Einsatz in Haiti sei jedenfalls noch lange nicht vorbei, mahnte van Zutphen. Und Hahn ergänzte: "In Port-au-Prince konnte der Ausbruch von Cholera bis jetzt verhindert werden - aber das kann sich Stunde für Stunde ändern."
 

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Live auf oe24.TV 1 / 9

Top Gelesen 1 / 5

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen