27. April 2009 07:57
Das italienische Kreuzfahrtschiff "MS Melody" befand sich entgegen der
Schilderung der Reederei MSC Kreuzfahrten gefährlich nah am Aktionsradius
somalischer Piraten, als es mit Schüssen angegriffen wurde. Das geht aus
einer Meldung des Maritime Security Center Horn of Africa (MSCHOA) hervor,
die der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vorliegt.
Laut der Meldestelle des EU-Marineverbandes vor Somalia befand sich die MS
Melody am Sonnabendabend nur 19 Kilometer außerhalb des Seegebietes, das
inzwischen von internationalen Marineverbänden als gefährlich bezeichnet
wird, wie die "HAZ" berichtet (Montag). Dieses Gebiet war in Absprache der
vor der Ostküste Afrikas operierenden Verbände zuletzt immer weiter
ausgeweitet worden.
1100 km von Küste entfernt halten
In einer erst am 12.
April von der britischen Marine herausgegebenen Warnmeldung heißt es, alle
Schiffe, die nicht zwingend das Horn von Afrika passieren müssen, sollten
sich mindestens 1100 Kilometer von der Küste des ostafrikanischen Landes
fernhalten. Formal hat sich der Kapitän damit an die Warnung gehalten, da er
sein Schiff laut MSCHOA 1119 Kilometer von der somalischen Küste entfernt
hielt. Es befand sich damit aber nicht weit außerhalb der Risikozone, wie
der Geschäftsführer der Reederei, Falk-Hartwig Rost, erklärt hatte.
Tatsächlich haben somalische Piraten ihren Radius schon weit über das
Risikogebiet ausgeweitet.
Besatzung feuerte auf Piraten
Piraten hatteen am Wochenende vor
der Küste Somalias einen deutschen Frachter gekapert und auch wieder ein
Kreuzfahrtschiff angegriffen. Die Besatzung des Passagierschiffs "MS Melody"
trieb die Seeräuber aber nach Angaben des italienischen Kapitäns mit
Schüssen in die Flucht
Kapitän Ciro Pinto sagte im staatlichen italienischen Rundfunk, er habe den
israelischen Sicherheitsleuten an Bord befohlen, zurückzuschießen, als sechs
Piraten in einem kleinen Boot sein Passagierschiff angriffen. "Es war wie im
Krieg", sagte Pinto.
"Spiegel Online" berichtete unter Berufung auf einen Passagier aus
Baden-Württemberg, während einer Show an Bord seien plötzlich Schüsse
gefallen. Der Mann habe etwa 50 Schüsse gehört, die offenbar außerhalb des
Kreuzfahrtschiffes abgegeben worden seien. Andere Mitreisende hätten zuvor
ein weißes Schnellboot gesehen, das dem Kreuzfahrtschiff gefolgt