Die Schuldigen am Todes-Schlamm

Ungarn

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Die Schuldigen am Todes-Schlamm

Noch immer Alarmstufe Rot in Kolontar, Ungarn. Die ganze Stadt liegt unter dem roten Todes-Schlamm begraben. Am Samstag mussten alle 800 Bewohner ihre Häuser verlassen. Die bisherige Bilanz ist verheerend: Sieben Tote, über 150 Verletzte. Keine Beruhigung gestern. Die Behörden warnten eindringlich: Die Mauer des Schlamm-Beckens werde früher oder später vollkommen wegbrechen.

Schutzwand wird gebaut
Derzeit wird mit Hochdruck an einer neuen Schutzwand rund um das Becken gearbeitet. Die Dimensionen sind gigantisch: 400 Meter lang, 20 m breit – so soll der tödliche Ausfluss gestoppt werden. Immer größer wird indes die Wut des ungarischen Volkes. Ziel der Attacken: Die Eigentümer des Aluminium-Werks MAL AG (Magyar Aluminium). Noch vor wenigen Tagen stand auf der Internetseite des Unternehmens: "Der Schutz der Reinheit der natürlichen Wasser und Luft sind durch moderne Technologien und Einrichtungen gesichert.“.

Verhöhnung
Wie eine Verhöhnung klingt die erste Reaktion der Firmenchefs: Der Gift-Schlamm sei gar nicht so giftig und schädlich, man sollte nur nicht darin baden. Das war noch bevor es Todesopfer gab. Die Hauptaktionäre der MAL AG sind zwei angesehene Industrielle: Lajos Tolnay (62) und Zoltan Bakonyi. Sie haben die ungarische Aluminiumindustrie 1995 billigst vom Staat gekauft. Beide Besitzer sind seitdem steinreich: sie besitzen ein Vermögen von 145 Millionen Euro, zählen zu den 30 reichsten Ungarn.

Härteste Konsequenzen
Zornig ist die Bevölkerung vor allem auch wegen der Ankündigung, dass die Industriellen insgesamt nur 110.000 Euro als Soforthilfe für die Opfer zahlen wollen. Nicht einmal ein Drittel eines Prozentes der Gesamtschäden im Wert von 37 Millionen Euro. "Das ist angesichts der Todesfälle hochgradig zynisch“, so Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Sehr erbost gab sich auch Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban: "Wenn die Katastrophe in der Nacht geschieht, sind die Menschen alle tot. Das ist eine Verantwortungslosigkeit, zu der ich keine Worte finde.“ Er forderte "härtest mögliche Konsequenzen“.

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