Perugia

"Eiskalter Engel" bekennt sich nicht schuldig

Der Prozess um den brutalen Mord an einer englische Austauschstudentin im Jahr 2007 in Perugia ist am Freitag mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt worden. Deren Aussagen belasten die beiden Angeklagten, eine US-Studentin und deren italienischen Ex-Freund, die sich wegen Mittäterschaft verantworten müssen. Als Zeugen befragt wurden unter anderem zwei Polizisten, die die Leiche der ermordeten Studentin Meredith Kercher am 2. November 2007 in einer Wohnung in Perugia gefunden hatten.

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Wurde ermordet: Meredith Kercher, Foto (c) Reuters

Tödliche Sexspiele -
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Britin vergewaltigt und getötet wurde, weil sie sich weigerte, an Sexspielen teilzunehmen. Die angeklagte Studentin hatte sich mit dem Mordopfer eine Wohnung geteilt.

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Trügerische Idylle: In diesem Haus fand der brutale Mord statt, Foto (c) Reuters

Die 21-jährige Amanda und ihr um drei Jahre älterer Ex-Freund Raffaele sitzen seit 13 Monaten in U-Haft. Sie erklärte sich nicht schuldig.

Für den brutalen Mord hatte das Gericht in Perugia bereits den 20-Jährigen Rudy Hermann Guede zu 30 Jahren Haft verurteilt.

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Rudy H. Guede, Foto (c) Reuters

Der ursprünglich aus der Elfenbeinküste stammende Mann, der später in Italien adoptiert wurde, war nach Merediths Tod geflohen und Tage später in Deutschland festgenommen worden.

Mediales Großereignis
Amanda, die wegen ihres attraktiven Aussehens und ihres widersprüchlichen Verhaltens das Interesse der Medien auf sich zieht, wirkte bei ihrem Erscheinen am Freitag vor Gericht gelöst. Sie begrüßte im Saal ihren Vater. Seit Monaten verfolgen Dutzende von englischen und amerikanischen Journalisten den Fall, der wegen der Mischung aus Sex, Drogen und Gewalt international für Aufsehen gesorgt hatte.

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Amanda - ist sie die Mörderin? - Foto (c) Reuters

Die Studentin hatte den Ermittlern zunächst gesagt, sie sei während der Tat mit Meredith zu Hause gewesen und habe sich die Ohren zugehalten, als sie Schreie hörte. Später erklärte sie, sie sei nicht zu Hause gewesen. Sie hatte zunächst einen farbigen Barbesitzer des Mordes beschuldigt, der vier Wochen lang in Haft verbrachte, ehe sich herausstellte, dass er mit dem Fall nichts zu tun hatte. Amandas Ex-Freund wirkte vor Gericht hingegen angespannt. Er war nach eigenen Angaben zur fraglichen Zeit in seiner eigenen Wohnung, kann sich aber nicht erinnern, ob seine damalige Freundin einen Teil oder die ganze Nacht bei ihm verbracht hatte.

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Raffaele weist Schuld von sich, Foto: (c) Reuters

Raffaele bezeichnete sich am Freitag als Opfer eines Justizirrtums. "Alles erscheint mir unwahr, weil ich nichts mit diesem Fall zu tun habe. Ich bin keine gewalttätige Person", betonte der Student. Er habe Meredith kaum gekannt und die Beziehung mit Amanda damals gerade erst begonnen.

"Es wird ein harter Kampf werden, doch am Schluss werden wir die Unschuld unseres Mandanten beweisen", meinte die prominente Anwältin der Studentin: Giulia Bongiorno, Rechtsanwältin und Parlamentarierin, hat auch den siebenmaligen Regierungschef Giulio Andreotti mit Erfolg verteidigt. Er hatte sich wegen Mafia-Zugehörigkeit und Auftragsmordes vor Gericht verantworten müssen. Der Prozess gegen die beiden Studenten könnte nach Einschätzung der Anwälte ein Jahr dauern.

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