Ekelkäse-Skandal könnte sich ausweiten

Neuer Skandal

 

Ekelkäse-Skandal könnte sich ausweiten

Der Skandal um die 11.000 Tonnen Gammelkäse, die in Norditalien mit frischen Produkten vermischt und wieder verkauft wurden, droht sich zu einer internationalen Affäre auszuwachsen. Nach Angaben italienischer Medien könnten auch österreichische Milchbetriebe verdorbene Produkte an drei Unternehmen in den Regionen Lombardei und Piemont verkauft haben, die den vergammelten Käse nach einer Wiederverarbeitung an Diskont-Supermärkte weiter lieferten. Auch britische, deutsche und französische Käseproduzenten werden demnach überprüft.

"Namen der im Fall verwickelten Firmen können wir nicht nennen, weil die Ermittlungen noch im Gange sind", sagte der Ermittler Mauro Santonastaso. Dutzende Personen sind in den Sog der Ermittlungen geraten, die laut einem Bericht von "La Repubblica" schon seit November 2006 laufen und jetzt in die Endphase getreten sind.

Keine Warnung
Derzeit gibt es von den offiziellen Stellen aber keine Hinweise darauf, dass italienischer Gammelkäse auch nach Österreich exportiert worden sein könnte, wie der Sprecher der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Oskar Wawschinek,betonte. Der Käseskandal in Italien sei zudem zwei Jahre alt. Dies sei dem österreichischen Gesundheitsministerium von italienischer Seite beschieden worden, sagte Wawschinek am Samstag. Vor zwei Tagen seien die Urteile in der Causa in Rom gesprochen worden. "Aktuell gibt es keinen Ekelkäse", betonte Wawschinek.

Namhafte Milchkonzerne
Besitzer der drei Unternehmen, in denen der verdorbene Käse verarbeitet wurde, ist ein 46-jähriger Sizilianer, der mit zwei weiteren Personen verhaftet worden ist. Der verdorbene Käse - der teilweise bereits Würmer, Mäusekot oder Rückstände wie Plastik oder Farbe von Etiketten enthielt - sei vor allem zu Mozzarella, Gorgonzola oder Schmelzkäse verarbeitet und verkauft worden, verlautete aus Ermittlerkreisen. Zu den Firmen, die den verdorbenen Käse an die verdächtigen Unternehmen verkauft haben sollen, zählen namhafte Milchkonzerne wie Galbani, Gararolo und Cademartori.

Galbani dementierte jegliche Verwicklung in den Skandal. Die Produkte von Galbani enthielten "keinerlei Inhaltsstoffe der beschuldigten Firmen". Die Firma verwies auf strenge Kontrollen zu jedem einzelnen Produktionsschritt: von der Beschaffung der Milch bis hin zum Vertrieb der Endprodukte, damit die umfassende Rückverfolgbarkeit der Produkte und die Einhaltung der sehr strengen Qualitätsstandards gewährleistet werde.

Strenge Kontrollen angekündigt
Der italienische Landwirtschaftsminister Luca Zaia kündigte strenge Kontrollen an. "Die Menschen dürfen nicht Angst haben, wenn sie Lebensmittel einkaufen. Gastronomiebanditen zerstören das Ansehen der italienischen Lebensmittelindustrie und müssen streng bestraft werden", meinte der Minister.

Der Konsumentenschutzverband Altroconsumo drohte mit einer Sammelklage gegen die in den Skandal verwickelten Firmen. Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti forderte "Null Toleranz" für die Verantwortlichen von Betrügereien im Lebensmittelbereich. Das italienische Gesundheitsministerium teilte mit, die EU-Behörden über den Fall informiert zu haben.

Weiterer, harter Schlag
Für die italienische Lebensmittelindustrie ist dieser Skandal ein weiterer harter Schlag. Im März waren in Süditalien Molkereien und Agrarunternehmen ins Visier der Ermittler geraten, weil in der Büffelmilch, mit der Mozzarella hergestellt wird, Dioxin gefunden worden war. Im April war bekanntgeworden, dass Millionen Liter Wein mit krebserregenden Stoffen verunreinigt waren.

Drei Personen verhaftet
Der Betrug an sich wurde von der italienischen Polizei entdeckt. Drei Personen wurden verhaftet. Sie sollen mit verdorbenen Produkten über zehn Millionen Euro erwirtschaftet haben. Die Belegschaft, die in den Unternehmen arbeiteten, waren über den Betrug informiert.

Die Firmen, die auch einen Sitz im bayerischen Woringen hatten, standen im Besitz eines sizilianischen Industriellen. Ihm verkauften namhafte Käseproduzenten die verdorbenen Produkte. Die Untersuchung lief bereits seit mehreren Monaten.

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