Entführte Deutsche nicht in Taliban-Gewalt

Afghanistan

© Reuters

Entführte Deutsche nicht in Taliban-Gewalt

Die radikal-islamischen Taliban haben die am Samstag in Kabul entführte Deutsche nach eigenen Angaben nicht in ihrer Gewalt. Taliban-Sprecher Sabeehullah Mujahid sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kabul per Telefon, ihm sei die Geiselnahme bekannt. Er habe auch mit Taliban-Kämpfern in der afghanischen Hauptstadt gesprochen, die ihm jedoch gesagt hätten, sie hätten die Frau nicht verschleppt. Geheimdienstoffiziere am Tatort, die anonym bleiben wollten, sagten der dpa, sie gingen von einer "kriminellen Bande" aus. Die Polizei hat eine Großfahndung eingeleitet.

Stammt angeblich aus Süddeutschland
Die Frau stamme aus Süddeutschland, sagte Toni Grosshauser vom Internationalen Koordinationsbüro der Hilfsorganisation Hilfsorganisation ora International, um deren Mitarbeiterin es sich handeln soll. Anrainer in dem Viertel, wo sich die Entführung ereignet hatte, erklärten, die junge Frau habe in der Nachbarschaft gewohnt. Sie sei täglich auf der Straße gesehen worden.

Bei der Entführung ist deren Begleiter den Kidnappern entkommen. "Sie haben die Frau in einen Wagen gezerrt, konnten den Mann aber nicht entführen", sagte Vize-Polizeichef General Salmai Oriachail der Nachrichtenagentur AFP. Den Polizeiinformationen zufolge handelte es sich bei dem Begleiter um den Ehemann der Entführten.

Überfall von Zwölfjährigem beobachtet
Der Überfall wurde von einem Zwölfjährigen beobachtet. Dieser sagte, das Paar habe gerade eine Straße im dritten Bezirk von Kabul überqueren wollen, als der Wagen herangefahren sei und das Tempo gedrosselt habe, bevor die Frau in das Auto gezerrt worden sei.

Die Polizei leitete nach Angaben des Innenministeriums in Kabul eine groß angelegte Suchaktion nach der Entführten ein. Im dritten Bezirk der afghanischen Haupstadt befinden sich zahlreiche Büros von Nichtregierungsorganisationen, das Parlament und die Universität von Kabul.

Von Jugendbande entführt?
Die Deutsche ist möglicherweise nicht von den radikalislamischen Taliban verschleppt worden. Nach ersten Hinweisen habe womöglich eine Bande von Jugendlichen die Frau entführt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag in Berlin erfuhr. Demnach soll die Frau für eine Nicht-Regierungsorganisation (NGO) in Afghanistan tätig gewesen sein.

Ein Geheimdienstmitarbeiter erklärte, die Bewaffneten hätten vor dem Schnellrestaurant angehalten, ein Mann sei ausgestiegen und habe im Lokal eine Pizza bestellt. Zwei weitere Männer warteten vor dem Lokal, ein Mann blieb in dem geparkten Wagen sitzen. Dann habe der Bewaffnete in dem Lokal eine Pistole gezogen, sei zu einem Tisch gegangen, an dem die Frau mit ihrem Freund gesessen sei, und habe sie mitgenommen. Über das Schicksal des Freundes war zunächst nichts bekannt.

Auf der Jagd nach Entführern aus versehen Taxifahrer getötet
Polizisten, die wegen der Entführung alarmiert worden waren, entdeckten das schnell fahrende Fluchtfahrzeug und eröffneten das Feuer. Sie verfehlten den dunkelgrauen Toyota aber und trafen stattdessen ein Taxi, dessen Fahrer getötet wurde.

Für die Mitarbeiter der Vereinten Nationen wurde am Samstagnachmittag eine Ausgehsperre verhängt. Während der Ermittlungen zu der Entführung sollten sie an Ort und Stelle bleiben, verlautete aus UN-Kreisen. Auch für andere Ausländer wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Seit 18. Juli deutscher Ingenieur als Geisel
Seit dem 18. Juli befindet sich der deutsche Bauingenieur Rudolf Blechschmidt in der Provinz Wardek in der Gewalt der Taliban. Sein gemeinsam mit ihm verschleppter Kollege Rüdiger Diedrich wurde von den Entführern erschossen. Am Mittwoch kamen bei einem Bombenanschlag in der Nähe von Kabul drei deutsche Polizisten ums Leben. Außerdem wurden am 19. Juli 23 Südkoreaner in Afghanistan entführt. Zwei männliche Geiseln wurden seither getötet, zwei Frauen wurden freigelassen.

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