Entführter Arzt in U-Haft

Stieftochter getötet

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Entführter Arzt in U-Haft

Nach seiner Entführung nach Frankreich ist der wegen Tötung seiner Stieftochter gesuchte deutsche Arzt in Paris in Untersuchungshaft genommen worden. Die französische Justiz habe dies mit Blick auf einen möglichen Prozess gegen seinen Mandanten mit Fluchtgefahr nach Deutschland begründet, sagte der Anwalt des Arztes am Donnerstag. Der Vater des getöteten Mädchens erhob in dem Fall erneut Vorwürfe gegen Deutschland.

Der deutsche Arzt Dieter K. war am Sonntag gefesselt und geknebelt vor einem Gerichtsgebäude im ostfranzösischen Mülhausen gefunden worden. Er war 1995 in Paris in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dem Kardiologen wurde vorgeworfen, seiner 14-jährigen Stieftochter Kalinka Bamberski 1982 in Lindau eine tödliche Spritze verabreicht zu haben. K. musste seine Strafe aber nie antreten, weil Deutschland ihn nicht an Frankreich auslieferte. Der Vater von Kalinka hat gestanden, die Entführung, in der auch ein in Vorarlberg lebender Staatenloser aus dem Kosovo involviert sein soll, veranlasst zu haben.

38-Jähriger gestand Mitwirkung an Entführung
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im bayerischen Kempten hatte sich der 38-Jährige im Rheintal lebende Verdächtige selbst der Polizei gestellt. Er habe sein Mitwirken an der Entführung gestanden und die Tatbeiträge seiner noch unbekannten Komplizen beschrieben. Der Staatenlose wurde im Wege der Amtshilfe für die Kemptener Staatsanwaltschaft in Vorarlberg einvernommen und befand sich nicht in Haft. Näheres wollten die Behörden am Donnerstag dazu nicht bekanntgeben.

Inhaftierung wie "Todesurteil"
Der bei der Entführung im Gesicht verletzte K. wurde zunächst in ein Pariser Krankenhaus gebracht. Für seinen 74 Jahre alten Mandanten sei die Inhaftierung wie ein "Todesurteil", sagte sein Anwalt Francois Serres in Paris. Der Arzt habe in der Vergangenheit schon "mehrere Herzinfarkte" gehabt.

Serres kündigte an, gegen die Haft umgehend Einspruch einzulegen. Sie sei unzulässig. Denn in Deutschland seien die Ermittlungen gegen K. eingestellt worden. Und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe den Prozess in Frankreich aus formalen Gründen für unzulässig erklärt. Nach Angaben aus Justizkreisen hat das französische Berufungsgericht jetzt ein Jahr Zeit, einen neuen Prozess gegen K. anzustrengen.

Vater: "Habe mein Ziel erreicht"
"Ich habe mein Ziel erreicht", sagte der 72-jährige Vater von Kalinka, Andre Bamberski, der Tageszeitung "Le Parisien" vom Donnerstag. "Ich habe das Versprechen gehalten, das ich am Grab meiner Tochter gegeben habe." Der Mörder seiner Tochter werde jetzt vor Gericht kommen. Bamberski wirft dem deutschen Mediziner vor, seiner Tochter eine Betäubungsspritze verabreicht und sie vergewaltigt zu haben. Die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche habe der Arzt von einem befreundeten Kollegen machen lassen, um dies zu vertuschen.

Bamberski warf Deutschland erneut vor, die Strafverfolgung von K. behindert zu haben. Er habe "unbestreitbare Beweise" für den gemeinsamen Versuch der französischen und deutschen Behörden, den Arzt zu schützen, sagte er im Sender Europe 1. Ziel sei es gewesen, "weder den Haftbefehl noch das Urteil gegen ihn zu vollziehen".

K. hatte seine Zulassung als Arzt in Deutschland 1997 wegen sexuellen Missbrauchs verloren. Das Landgericht Kempten befand ihn für schuldig, eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt zu haben. Er bekam dafür zwei Jahre Haft auf Bewährung, übte seinen Beruf aber illegal weiter aus.

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