Ex-General Zagorec auf der Anklagebank

Diamanten-Affäre

© Florian Lems

Ex-General Zagorec auf der Anklagebank

Dem bald 45-Jährigen werden Amtsmissbrauch und Veruntreuung vorgeworfen. Zagorec hatte in den vergangenen Jahren in Wien gelebt, ehe er Ende September festgenommen und am 2. Oktober an Zagreb ausgeliefert wurde.

Unterschlagung von Edelsteinen
Zagorec wird konkret vorgeworfen, Edelsteine im Wert von rund fünf Millionen Dollar (3,42 Mio. Euro) unterschlagen zu haben. Der Ex-General Zagorec soll als Vize-Verteidigungsminister 1993 von einem Waffenhändler einen Koffer mit Edelsteinen als Bürgschaft für den Waffeneinkauf der kroatischen Armee entgegen genommen haben. Als er im Jahr 2000 aus dem Amt des stellvertretenden Verteidigungsministers schied, soll Zagorec diesen Koffer mit sich genommen haben. Noch im selben Jahr übersiedelte er nach Österreich.

Zu den Zeugen, die wegen des Vorwurf der Veruntreuung der Diamanten vernommen worden waren, zählten unter anderem Ex-Geheimdienstchef Miroslav Tudjman, der Sohn des verstorbenen früheren Präsidenten Franjo Tudjman, und der Journalist Ivo Pukanic. Pukanic fiel Ende Oktober einem Bombenanschlag zum Opfer.

Als Vertrauensmann von Franjo Tudjman während des Kroatien-Krieges (1991-95) war Zagorec mit der Beschaffung von Waffen für die kroatische Armee beauftragt - damals eine illegale Angelegenheit, da ein UNO-Embargo für Waffenexporte in die jugoslawischen Ex-Teilrepubliken in Kraft war.

Prozess ohne Anwesenheit
Am 14. März 2007 wurde Zagorec aufgrund des internationalen Haftbefehls festgenommen, kurz später jedoch gegen Kaution in Höhe von einer Million Euro unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Eine Woche später beantragte das kroatische Justizministerium dennoch die Auslieferung. Am 27. März 2007 begann der Prozess in Zagreb gegen Zagorec in Abwesenheit des Angeklagten.

Einer der wichtigsten Zeugen ist Hrvoje Petrac, lange ein Partner von Zagorec, ehe es zum Bruch kam. Im Februar 2004 hatte Petrac den damals 16-jährigen Tomislav, Sohn von Ex-General Zagorec, entführt und vier Tage später freigelassen, nachdem sein Vater 750.000 Euro an die Entführer zahlte - in Cash. Petrac wurde wegen dieser Tat zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Auslieferung an Kroatien
Am 23. Oktober 2007 entschied das Wiener Straflandesgericht, dass eine Auslieferung von Zagorec an Kroatien zulässig sei. Beschwerde gegen die Auslieferung wurde seitens Zagorec' erhoben. Die Argumente der Zagorec-Anwälte: Der bereits laufende Prozess in Kroatien sei "politisch motiviert" und es gebe Beweise, dass das Leben des Angeklagten "von diversen Clans" in seiner Heimat bedroht sei.

Angehört wurde unter anderem jener Mann, der "als Bote" den Koffer mit Rubinen und Diamanten Zagorec 1993 übergab. Josef R. hat laut den Anwälten eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass er keinen Koffer mit Diamanten übergeben habe.

Im März 2008 wies der Oberste Gerichtshof die Beschwerde gegen die Auslieferung von Zagorec ab. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs bedeutete nicht die sofortige Auslieferung von Zagorec. Das Verfahren vor dem Straflandesgericht in Wien begann wieder zu laufen.

Die Wiener Anwältin von Zagorec, Elisabeth Rech, hatte die Auslieferung von Zagorec unter anderem mit dem Argument bekämpft, dass ihr Mandat in Kroatien um sein Leben fürchten müsse. Knapp nach der Überstellung wurde die Tochter seines kroatischen Anwalts im Zentrum von Zagreb durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet. Ein Zusammenhang mit dem "Fall Zagorec" wurde offiziell weder bestätigt noch eindeutig ausgeschlossen.

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