Felssturz in Kairo könnte Hunderte getötet haben

500 verschüttet

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Felssturz in Kairo könnte Hunderte getötet haben

Nach dem tödlichen Einsturz einer Felswand in einem Armenviertel von Kairo wächst die Wut der Einwohner auf die Behörden. Aus Ärger über die schleppende Bergung haben sie Polizei und Zivilschutz am Sonntag mit einem Steinhagel empfangen. Samstag früh waren tonnenschwere Felsbrocken auf das Armenviertel gestürzt und hatten gut 35 Häuser unter sich begraben.

Bis zu 500 weitere Verschüttete
Bis Montag früh wurden 37 Tote geborgen und 48 Verletzte unter den Trümmern hervorgeholt, man geht von bis zu 500 weiteren Verschütteten aus. Fieberhaft suchten die Menschen nach Überlebenden - meist mit bloßen Händen, denn schweres Räumgerät steht nach wie vor nicht zur Verfügung.

Im Schlaf von den Brocken erschlagen
Die gesamte Nacht über versuchten Bergungskräfte und Überlebende, die herabgestürzten Felsbrocken wegzuräumen, in der Hoffnung, doch noch Überlebende zu finden. Auf einer Breite von rund 60 Metern war der aus Kalkstein bestehende Mokattam-Felsen abgebrochen und aus 15 Metern Höhe auf die wildgebaute Siedlung Manschijet Nasser herabgestürzt. Viele Menschen wurden im Schlaf von den bis zu mehreren hundert Tonnen schweren Brocken erschlagen. "Es war schrecklich, wie ein Erdbeben", erzählt der 24-jährige Arbeiter Sarchali Gharib. Er verlor nach eigenen Angaben acht Familienmitglieder bei dem Unglück - fünf Schwestern, eine Schwägerin sowie deren zwei Kinder.

Rettungsarbeiten gehen nur langsam voran
Kranken- und Feuerwehrwagen waren kurz nach dem Abgang der Felsbrocken vor Ort, die Polizei riegelte die Unglücksstelle ab. Die Rettungsarbeiten kamen aus Mangel an Kränen und anderem Räumgerät jedoch nur langsam voran. Erst nach fünf Stunden traf erstes Räumgerät ein, doch war es am Sonntag immer noch nicht einsatzbereit.

Vorwürfe gegen Behörden
Bereits kurz nach dem Unglück wurden Vorwürfe gegen die Behörden laut. "Vor zwei Jahren schon haben wir sie gewarnt, dass uns das auf den Kopf stürzen würde. Heute ist das Drama passiert", sagte der 32-jährige Dschamal Badr, dessen Haus ebenfalls unter den Felsen begraben wurde. "Schon zweimal waren Felsbrocken auf uns gestürzt, glücklicherweise gab es jedesmal nur Leichtverletzte", berichtet der 42-jährige Taxifahrer Abdel Latin Hossam, dessen Haus wie durch ein Wunder stehengeblieben war.

Bauarbeiten für Einsturz verantwortlich?
Andere Bewohner machten Bauarbeiten auf dem Mokattam-Hügel für den Einsturz verantwortlich. "Sie hatten uns gesagt, sie wollten ein Industriegebiet bauen und dafür das ganze Viertel evakuieren. Wir waren froh - doch dann geschah nichts", erzählt der 80-jährige Mohammed el Sajjed. Demnach hatten die Behörden das Viertel schon seit längerem als gefährlich eingestuft, vorgesehene Ausweichquartiere aber dann anderweitig verkauft.

In einer Erklärung bestätigte das Innenministerium, dass Manschijet Nasser im kommenden Monat geräumt werden sollte. Nach einem Bericht der Zeitung "El Achram" wies Präsident Husni Mubarak die Regierung an, den obdachlos gewordenen Familien neue Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und alle Hinterbliebenen zu entschädigen.

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