Gefängnisinsel Australien soll Kulturerbe werden

"Kolonialexperiment"

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Gefängnisinsel Australien soll Kulturerbe werden

Australien, das seine Geschichte als britische Sträflingskolonie begann, will sich seiner Vergangenheit nicht mehr schämen. Elf Gefängnisse und andere Stätten, die mit der Kolonialzeit zusammenhängen, sollen in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden, wie die Regierung am Mittwoch mitteilte. Es gehe um das Gedenken an ein "brutales Kolonialexperiment", sagte der Minister für das Kulturerbe, Peter Garrett, auf dem Gelände des Fremantle-Gefängnisses in der Nähe von Perth im Westen des Kontinents.

Erste Siedler waren Sträflinge
Die ersten australischen Siedler waren meist britische Sträflinge, die zwischen 1787 und 1868 zum Auswandern gezwungen wurden. Insgesamt wurden Garrett zufolge 166.000 Männer, Frauen und Kinder aus Großbritannien ans andere Ende der Welt verbannt. "Diese faszinierende Geschichte von mehr als 160.000 Sträflingen, die in eine riesige unbekannte Landschaft geschickt wurden - das ist unser lebendiges Erbe", sagte Garrett. Diese Frauen und Männer hätten trotz ihres grausamen Schicksals "das Fundament des australischen Geistes gelegt, den wir heute kennen". "Der Schneid, die Entschlossenheit, es gegen alle Wahrscheinlichkeit zu schaffen, der lakonische Humor, der blanke Wille, es zu versuchen, machten aus ihnen freie Männer und Frauen", erinnerte der Minister.

Strafvergangenheit soll Australiern nicht peinlich sein
Neben dem Fremantle-Gefängnis schlägt Australien zahlreiche andere Stätten vor, darunter die Cockatoo-Insel und Port Arthur auf Tasmanien. Die Sträflingsvergangenheit des fünften Kontinents galt lange als peinlich, in jüngster Zeit ist sie jedoch Anlass für eine Art rebellischen Stolz geworden. "Für einen Australier, der herausfindet, dass einer seiner Vorfahren ein Sträfling war, ist das heute, als finde er den Heiligen Gral", sagt die Vertreterin des australischen Genealogen-Verbandes, Heather Garnsey.

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