Gewalttätige Proteste von Krisenopfern

Wut gegen Manager

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Gewalttätige Proteste von Krisenopfern

Wut und Verunsicherung treiben Opfer der Wirtschaftskrise zunehmend zu gewaltsamen Aktionen. In Frankreich nahmen Angestellte zum zweiten Mal binnen zwei Wochen einen Manager als Geisel, um gegen Entlassungen zu protestieren. Er wurde inzwischen wieder freigelassen. Arbeiter der deutschen Reifenfirma Continental zündeten in Paris Barrikaden an und forderten Hilfe der Politik. Nahe Edinburgh verwüsteten Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch das Haus des früheren Chefs der Bank of Scotland und schlugen Scheiben seiner Limousine ein.

In Frankreich richtete sich der Zorn gegen den nationalen Chef der amerikanischen Büromaterialfirma M3, Luc Rousselet, weil in der vergangenen Woche Pläne bekanntwurden, mehrere hundert Beschäftigte zu entlassen. Mitarbeiter hielten Rousselet seit Dienstagabend in der Niederlassung in Pithiviers nördlich von Paris als Geisel. "Wir haben keine andere Munition als die Festsetzung der Verantwortlichen", sagte Laurent Joly, der seit elf Jahren in der Fabrik arbeitete.

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Luc Rousselet während seiner Geiselhaft/ (c) AP

Geiselnehmer werden bedauert
In der Nacht auf Donnerstag ließen die Angestellten Rousselet wieder frei. Sie wollten damit höhere Abfertigungen und eine Umzugsprämie durchsetzen. Der gefangene Manager hatte Verständnis für die Lage der Beschäftigten geäußert. "Die Menschen hier sind mehr zu bedauern als ich", sagte er im Radiosender France-Info.

Bereits am 13. März hatten wütende Arbeiter einer Sony-Fabrik bei Bordeaux den Frankreichchef des Konzerns für eine Nacht als Geisel genommen. Er wurde erst nach neuen Verhandlungen über die geplanten Werkschließungen wieder freigelassen.

Proteste bei Conti
Auch die Wut gegen die von Conti geplante Werksschließung in Clairoix in Nordfrankreich ebbt nicht ab. Dutzende Mitarbeiter zogen am Mittwoch in einem Protestmarsch vom Bahnhof Saint Lazare zum Élysée-Palast und zündeten Barrikaden aus Gummireifen an.

Haus von Bank-Chef verwüstet
In Schottland wurde der frühere Chef der Bank of Scotland Opfer von Attacken. Das Haus von Fred Goodwin nahe der schottischen Hauptstadt Edinburgh stand zur Zeit des Angriffs aber leer. An einer vor dem Haus geparkten Mercedes-Benz S-600-Limousine sei die Heckscheibe eingeschlagen worden. "Bankenchefs sind Kriminelle", hieß es in einer anonym versendeten E-Mail an die Zeitung "The Edinburgh Evening News".

Für Empörung hatte gesorgt, dass Goodwin nach seinem Rücktritt im vergangenen Jahr jährlich 700.000 Pfund (757.371 Euro) Pension bekommt. Goodwin musste als Chef der RBS gehen, weil das Unternehmen im Zuge der weltweiten Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten war. 2008 machte RBS einen Verlust von mehr als 24 Mrd. Pfund.

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Ein zerschlagenes Fenster im Haus von Fred Goodwin/ (c) Reuters

"Fred the Shred"
Goodwin, der wegen seiner drastischen Sparmaßnahmen auch "Fred the Shred" (Fred der Zerkleinerer) genannt wurde, hatte sich Forderungen der Regierung widersetzt, auf einen Teil seiner Pension zu verzichten. Die Regierung hat der RBS schon mit 20 Mrd. Pfund aus der Klemme geholfen.

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