Horror-Vater gesteht Missbrauch der Tochter

Inzest-Prozess

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Horror-Vater gesteht Missbrauch der Tochter

Teilgeständnis im Koblenzer Missbrauchsprozess: Der angeklagte Familienvater hat zugegeben, seine Tochter jahrelang missbraucht zu haben. Diese Vorwürfe der Anklage träfen zu, sagte der Verteidiger des 48-Jährigen nach Rücksprache mit seinem Mandanten am Mittwoch vor dem Koblenzer Landgericht. Zuvor war die 18-jährige Tochter als Zeugin wiederholt bei ihrer Aussage in Tränen ausgebrochen. Der Stiefsohn - ein weiteres mutmaßliches Opfer - hatte als erster Zeuge des Tages eindrücklich die schweren Misshandlungen mit Teppichklopfer oder Lederpeitsche geschildert.

Der Angeklagte aus Fluterschen im Westerwald soll seine leibliche Tochter, den 27-jährigen Stiefsohn und dessen Zwillingsschwester über Jahre hinweg missbraucht haben. Der 48 Jahre alte Mann habe die beiden Mädchen auch für Sex an fremde Männer verkauft, heißt es in der Anklageschrift. Es geht um 350 Taten zwischen 1987 und 2010. Bei Prozessbeginn am Dienstag hatte der 48-Jährige zugegeben, sieben Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben, die Missbrauchsvorwürfe bestritt er da aber noch.

Stiefsohn sagte aus

Von einem jahrelangen Martyrium berichtete der Stiefsohn in seiner stundenlangen Befragung vor Gericht. Er erinnerte sich laut Gericht daran, dass ihn der Stiefvater einmal Ende der 1980er Jahre missbraucht habe - in der Anklage beziehen sich zwei Taten auf den Stiefsohn. Der junge Mann berichtete, wie der Stiefvater immer wieder zu Teppichklopfer, selbst gebauter Lederpeitsche oder auch einem Holzstiel mit Lederriemen griff, der 20 Zentimeter lange Striemen hinterlassen habe.

Bei den Vernehmungen von Stiefsohn und Tochter war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Angeklagte wurde auf Antrag der Nebenklage des Saales verwiesen, als die Tochter wiederholt weinte. Der Anwalt des Stiefsohnes, Bernd Lindlein, betonte nach der Vernehmung des 27-Jährigen: "Für meinen Mandanten war dieser Tag unheimlich schwer." Er habe Angst gehabt, dass die Befragung abgebrochen werden müsste, weil sie schlicht zu belastend für seinen Mandanten sei, sagte Lindlein. Die Zwillingsschwester hatte bereits am ersten Verhandlungstag die Anklagevorwürfe nach Gerichtsangaben im Wesentlichen bestätigt.

"Der Mann ist unberechenbar"
Lindlein betonte mit Blick auf den Angeklagten: "Dass er verurteilt wird, ist klar - die Frage ist weswegen." Er ergänzte: "Der Mann ist unberechenbar." Ein Ende des Verfahrens sei noch nicht abzusehen. Derweil berichteten die Halbschwestern der Illustrierten "Bunte", künftig ein möglichst normales Leben führen zu wollen. Sie träume von einem Leben "ohne Gewalt. Ohne Schläge. Ohne Fremdbestimmung", sagte die 27-jährige Stieftochter.

Die 18-jährige leibliche Tochter des Mannes beginnt den Angaben zufolge im Sommer eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. "Papa wollte nicht, dass wir Mädchen zur Schule gehen. Dort hatte er ja keine Kontrolle über uns." Über ihren Vater sagt sie: "Wenn er aus dem Gefängnis freikommen würde, würde ich weglaufen."
 

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