Italiener erreicht Basislager am K2

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Italiener erreicht Basislager am K2

Nach dem tödlichen Lawinenunglück am K2 ist der letzte überlebende Bergsteiger der Gruppe in Sicherheit. Der Italiener Marco Confortola stieg am Dienstag aus eigener Kraft ins Basislager hinab. "Er ist außer Gefahr", sagte Shaukat Zaman vom pakistanischen Tourismusministerium. Sobald sich das Wetter gebessert habe, könne er mit dem Hubschrauber geborgen werden.

Confortola hatte am Freitag den zweithöchsten Gipfel der Erde erreicht, ehe dort eine Lawine herunterging. Dabei kamen vermutlich elf von 30 Bergsteigern ums Leben. Zwei Niederländer konnten am Montag gerettet werden. Confortala erreichte am Montag mit Hilfe von zwei nepalesischen Sherpas und eines amerikanischen Bergsteigers zunächst das in 5.900 Metern Höhe gelegene Lager 1 und setzte dann am Dienstag den Abstieg fort.

Am Montag waren zwei niederländische Bergsteiger vom zweithöchsten Berg der Welt gerettet worden.

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Der Niederländer Cas van de Gevel liegt mit schweren Erfrierungen im Spital. Foto (c) Reuters

"Wie die Lemminge"
Der Präsident der pakistanischen Bergsteigervereinigung, Nazir Sabir, sagte, das Unglück hätte verhindert werden können, wenn die Alpinisten nicht so spät aufgestiegen wären. "Es ist sonderbar, wirklich sonderbar, dass sie da so spät am Nachmittag waren." Der Schwede Fredrik Sträng (31) sprach von "Ruhmsucht und übertriebenem Ehrgeiz". Sträng hatte seinen eigenen Aufstieg am K2 mit einem weiteren Alpinisten vor der Unfallserie abgebrochen und bei der Bergung von Verletzten und Toten geholfen. "Das war wie der Marsch der Lemminge. Man glaubte ganz einfach, dass der an der Spitze schon wissen würde, was er tut", sagte Stäng.

Kritik von Extrembergsteigern
Der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander übte ebenfalls Kritik an kommerziellen Expeditionen. "Es ist fahrlässig, Bergsteiger, die sich nicht kennen, auf so einen Berg zu locken. Ich mag das überhaupt nicht, das kann ich nicht befürworten", sagte Kammerlander. Der Südtiroler kennt die Unglücksstelle am K2. "Dort kann ständig etwas abbrechen", sagte er. "Wenn jemand auf so einen Berg geht, sollte er schon auf anderen Achttausendern gewesen sein und man muss ein guter Kletterer sein. Auf die Fixseile dort kann man sich nicht verlassen", sagte der Alpinist. Obwohl Kammerlander selbst dreimal am K2 gewesen ist, würde er sich nicht zutrauen, andere Bergsteiger dort zu führen. Daher kann er auch nicht nachvollziehen, wie das kommerzielle Anbieter tun können. "So etwas ist absoluter Blödsinn", sagte er.

"Messner: reine Dummheit"
Im Interview mit dem Fernsehsender N24 warnte der Extrem-Sportler Reinhold Messner vor weiteren Unfällen am zweithöchsten Berg der Welt und sprach sich dagegen aus, Touristen auf die höchsten Berge im Himalaja und Karakorum zu lotsen. "Es wird nicht der letzte Unfall in dieser Dimension bleiben, wenn dieser Humbug, Reisegruppen auf den K2 und auf den Everest zu führen, nicht aufhört", sagte der italienische Bergsteiger. Noch bei anbrechender Dunkelheit versuchten die Bergsteiger den Gipfelsturm : "So was ist reine Dummheit, das ist nicht professionell."

Lawine schnitt Rückweg ab
Der Abgang einer Eislawine hatte am Freitag elf Bergsteiger getötet. Den Alpinisten hatte zuerst eine Lawine auf 8.200 Metern Höhe den Rückweg abgeschnitten. Mehrere von ihnen wurden dann am Samstagvormittag von einer mächtigen zweiten Lawine mitgerissen, während sie nach Möglichkeiten für den Abstieg suchten. Mindestens zwei weitere Bergsteiger waren bereits kurz zuvor abgestürzt. Bei den getöteten Nepalesen und Pakistanern handelt es sich um Träger. Zwei von ihnen seien ums Leben gekommen, als sie versuchten, ihren unterhalb des Gipfels festsitzenden Kunden zu helfen. Sie seien zusammen mit ihnen abgestürzt.

Kritik häuft sich
Vor knapp zwei Wochen waren am Nanga Parbat zwei italienische Bergsteiger gerettet worden. Lesen Sie hier mehr dazu. Seither stehen kommerzielle Expeditionen auf die Achttausender der Erde immer wieder in der Kritik. Die Unerfahrenheit der Alpinisten und die Unfähigkeit, sich auf neue Situationen oder einen plötzlichen Wetterumschwung einzustellen, tragen Experten zufolge zu derartigen Tragödien bei. Nach den Worten des Südtiroler Bergsteigers Reinhold Messner führt die Kommerzialisierung des Bergsteigens zu immer mehr Opfern. Viele Alpinisten wüssten gar nicht, wie sie in Schlechtwetterperioden oder ohne Sicherungsseile reagieren müssten.

Steirer machen sich auf den Rückweg
Der Steirer Christian Stangl und sein Landsmann Thomas Strausz, die dem Unglück entgangen waren, wollten sich am Dienstag auf den Rückweg machen. Der Skyrunner Stangl wollte ursprünglich binnen eines Tages auf den Gipfel und retour marschieren.

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Christian Strangl,(c) APA

ÖSTERREICH erreichte den 42-jährigen Bergsteiger Christian Stangl, der selbst am K2 war, nach dem Bergdrama im Basislager.

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen jetzt?
Christian Stangl: Ich bin wieder herunten vom Berg. So weit geht’s wieder – einigermaßen.

Was ist passiert?
Wir waren auf 8.000 Metern, auf 8.600 Metern ist der Gipfel und auf 8.300 Metern ist die Unglücksstelle. Wir hatten Riesenglück, weil wir eben kurz davor waren. Erst am nächsten Morgen haben wir das Drama realisiert.

Was ist denn genau vorgefallen?
Die anderen sind nicht direkt in der Lawine gestorben. Sie waren vielmehr oberhalb, konnten aber nicht mehr zurück, weil die Seile alle weg waren. Beim Versuch abzuklettern sind dann noch zwei abgeglitten. Möglicherweise sind also noch welche oben. Aber die können nicht geborgen werden.

Was tut man für diejenigen, die noch oben sind?
Es sind ein paar Rettungsleute hinauf, um zu sehen, was machbar ist.

Beteiligen Sie sich an der Rettungsaktion oder fahren Sie nach Hause?
Wir bleiben noch hier. Man wird erst sehen, ob der Rettungstrupp unsere Hilfe braucht. Wenn es notwendig ist, gehe ich wieder rauf. Aber ich brauche auch einmal Erholung, sonst hat das keinen Sinn. Und wir müssen auf die Wetterprognosen achten. [Anm. der Redaktion: Am Montag gab Stangl dann doch bekannt, nicht mehr auf den Berg steigen zu wollen]

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