Kaum Hoffnung auf weitere Leichenfunde

Airbus-Absturz

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Kaum Hoffnung auf weitere Leichenfunde

Die Angehörigen vieler Opfer von Air-France-Unglücksflug 447 müssen damit rechnen, nie einen Leichnam beerdigen zu können. Die Chance, weitere Absturzopfer in dem Gebiet rund 1.200 Kilometer nordöstlich des brasilianischen Festlandes zu finden, werde jeden Tag kleiner, sagte ein brasilianischer Militärsprecher am Donnerstagabend (Ortszeit) in Recife. Rund eineinhalb Wochen nach dem Absturz des Airbus A330 werden noch 184 Insassen vermisst. Bis Freitag früh (MESZ) wurden lediglich 44 Leichen aus dem Wasser geborgen.

Die ersten Angehörigen von Opfern der am Pfingstmontag abgestürzten Maschine sind unterdessen in Paris vor Gericht gezogen. "Manche Familien haben das Gefühl, dass ihnen nicht die ganze Wahrheit gesagt wird", sagte Opferanwältin Sophie Bottai am Freitag.

Ursache weiter unklar
Die Ursache der Katastrophe liegt offiziell weiter im Dunkeln. Sowohl der Flugzeugbauer Airbus als auch Air France wehrten sich gegen Spekulationen, dass Störungen der Geschwindigkeitsmesser direkte Ursache des Unglücks waren. "Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen falschen Geschwindigkeitsmessungen und dem Unfall", sagte Airbus-Chef Tom Enders. Air-France-Vorstand Pierre-Henri Gourgeon erklärte: "Ich bin nicht überzeugt, dass die Sonden der Grund für den Absturz sind."

Die Zeitung "Le Figaro" hatte zuvor geschrieben, Airbus schließe nicht aus, seine Flotte von 1000 A330 und A340 am Boden zu lassen, um die Messgeräte auszutauschen. "Das ist kompletter Blödsinn. Der Bericht hat keinerlei Substanz", so Enders. Es gebe in einer solchen Situation immer Medien, die verantwortlich seien und andere, die weit weniger verantwortlich seien und nach Schlagzeilen suchten. Der "Bild"-Zeitung sagte Enders: "Wir alle wollen wissen, was passiert ist. Aber was wir jetzt brauchen, ist Geduld. Solche Untersuchungen brauchen Zeit. Das schulden wir den Opfern und der Sicherheit in der Luftfahrt."

Suche geht weiter
Einen genauen Termin für ein Ende der Suchoperation gibt es bisher nicht. Der brasilianische Luftwaffensprecher Ramon Cardoso hatte zuvor gesagt, die Suche gehe mindestens bis zum 19. Juni weiter. In Recife begann im rechtsmedizinischen Institut die langwierige Identifizierung der Leichen. In die brasilianische Hafenstadt wurden bereits 16 Tote gebracht. Auf der Insel Fernando de Noronha, einige hundert Kilometer von der vermuteten Absturzstelle im Atlantik entfernt, sind derzeit 25 Opfer, die dort einer ersten Untersuchungen unterzogen werden. Auch sie sollen bis zum Wochenende nach Recife geflogen werden.

Drei weitere Opfer waren erst am Donnerstag (Ortszeit) geborgen worden. An der Suchoperation sind allein rund 400 französische Soldaten beteiligt. Nach den Flugschreibern sucht unter anderem das Atom-U-Boot "Emeraude".

Unterdessen betonte EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani, der Absturz könnte mehrere Ursachen gehabt haben. "Alles deutet darauf hin, dass das Unglück nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen ist", sagte Tajani nach einem Treffen mit den Verkehrsministern der 27 EU-Staaten am Donnerstag in Luxemburg. Die verschiedenen Ursachen seien "technischer und meteorologischer Natur". Der Kommissar forderte ein Kontrollsystem zu erarbeiten, das flächendeckend "weiße Flecken" auf Radarsystemen vermeidet.

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