26. April 2009 09:38
Die Opferzahl der in Mexiko grassierenden gefährlichen Schweinegrippe
steigt. Bisher sind 81 Menschen gestorben, 20 davon waren nachweislich von
dem mutierten Schweinevirus infiziert. Mexikos Präsident Felipe Calderon
erteilte dem Gesundheitsministerium seines Landes am Samstag weitgehende
Vollmachten, um eine Ausbreitung der Grippewelle zu verhindern. Die US-
Gesundheitsbehörde CDC schickte Experten nach Mexiko.
Weltgesundheitsorganisation (WHO) trifft aber zunächst keine weiteren
Maßnahmen. Das teilte die Organisation am Samstagabend in Genf mit.
WHO-Generaldirektorin Margaret Chan hatte zuvor erklärt, die Infektion habe
das "Potenzial einer Pandemie", also einer weltweiten Ausbreitung.
Bei Gefahr für die Weltbevölkerung kann die WHO Reise-sowie
Handelsbeschränkungen empfehlen, die von den Nationalstaaten umgesetzt
werden müssen. Das ist bisher ausgeblieben.
Schulen und Unis geschlossen
In Mexikos Hauptstadtregion sind
mittlerweile seit Freitag alle Schulen, Kindergärten und Universitäten
geschlossen. Mehr Menschen als sonst wegen der Luftverschmutzung tragen
einen Mundschutz. Großveranstaltungen wurden abgesagt. Die Maßnahmen sollen
mindestens noch für die ganze kommende Woche gelten. Präsident Calderon
erließ ein Dekret, durch das die Gesundheitsbehörden das Recht bekommen,
Kranke zu isolieren, Reisende zu untersuchen und Häuser zu betreten, um die
Epidemie bekämpfen zu können. Bereits am Samstag waren auf den Flughäfen und
Busbahnhöfen des nordamerikanischen Landes medizinische Teams unterwegs, um
Grippekranke aufzuspüren.
In den USA wurden unterdessen weitere Fälle bekannt. Bis zum Samstagabend
gab es laut Medienberichten zehn bestätigte Fälle, sechs in Kalifornien,
zwei in Texas und zwei weitere in Kansas. Zudem galt es als möglich, dass
auch an einer Schule in New York möglicherweise gleich Dutzende Schüler
erkrankt sind. Die New Yorker Gesundheitsbehörden schlossen nicht aus, dass
sich Schüler eines Gymnasiums mit dem Virus der Schweinegrippe infiziert
haben. Acht von neun Proben hätten gezeigt, dass es sich "vielleicht"
um das Virus handeln könne, sagte Gesundheitskommissar Thomas Frieden am
Samstag bei einer Pressekonferenz. Die Proben müssten aber erst weiter
untersucht werden.
Verdachtsfall in London
Ein aus Mexiko kommender Flugbegleiter
der Fluggesellschaft British Airways ist am Samstag mit grippeähnlichen
Symptomen in ein Krankenhaus in London gekommen. Ein Krankenhaussprecher
sagte nach britischen Medienberichten, der Mann spreche gut auf die
Behandlung an. Als Vorsichtmaßnahme sei der Mann, dessen Identität nicht
preisgegeben wurde, auf Atemwegs- und andere Erkrankungen getestet worden.
Ein Ergebnis wurde nicht genannt.
Schüler in Neuseeland in Quarantäne
Nach der Rückkehr
aus Mexiko sind in Neuseeland zehn Schüler unter Verdacht auf Schweinegrippe
in Quarantäne. Die jungen Leute waren am Samstag von einer dreiwöchigen
Studienreise zurückgekehrt und hatten über grippeähnliche Symptome geklagt.
Ein erster Grippeschnelltest fiel positiv aus. Die Behörden betonten am
Sonntag jedoch, dass bisher lediglich eine Infektion mit einem
Influenza-A-Virus nachgewiesen sei. Es sei daher noch unklar, ob die jungen
Leute zwischen 15 und 18 Jahren tatsächlich an dem mutierten
Schweinegrippevirus erkrankt seien.
"Die Behörden haben mir gesagt, es gibt noch keinen Beweis, aber sie halten
das für wahrscheinlich", sagte Neuseelands Gesundheitsminister Tony Ryall.
Detailliertere Testergebnisse seien erst in einigen Tagen zu erwarten. Das
Material werde in einem Labor der Weltgesundheitsorganisation WHO in
Melbourne untersucht. Die zehn Schüler waren am Sonntag isoliert zu Hause.
Keiner sei ernstlich krank, sagte der Gesundheitsminister. Insgesamt waren
drei Lehrer und 22 Schüler des Rangitoto Colleges in Auckland in Mexiko. 13
Schüler klagten nach der Rückkehr über Grippebeschwerden. Der
Gesundheitsminister rief Passagiere, die im selben Flugzeug wie die Schüler
saßen, auf, bei Unwohlsein einen Arzt aufzusuchen.
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So breitet sich das Virus aus Schweine können sich wie
Pferde, Vögel und Menschen mit Grippe infizieren. Die klassische
Schweinegrippe ist unter den Tieren zwar stark ansteckend, es sterben
jedoch nur wenige Schweine daran.
Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass dort 30 bis 50 Prozent
aller Tiere von kommerziellen Schweinefarmen eine Infektion
durchgemacht haben. Für Menschen sind die Schweine normalerweise nicht
besonders ansteckend. Die US- Seuchenkontrollbehörde CDC hat in den
USA allerdings seit 2005 einen Anstieg der Schweinegrippefälle bei
Menschen registriert. Durch Schweinefleisch kann die Krankheit nach
Angaben der Behörde nicht übertragen werden.
Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp
H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei
Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. Bei dem jetzt bei Menschen
in USA und Mexiko nachgewiesenen Grippeerreger handelt es sich um
ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als
gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Derselbe
Subtyp zirkuliert auch regelmäßig im Rahmen der saisonalen
Grippewelle. Schweine- und Menschengrippe vom Subtyp H1N1
unterscheiden sich nach CDC-Angaben jedoch in der Regel so stark, dass
eine Impfung gegen den Erreger der Grippe beim Menschen
normalerweise nicht gegen die Schweinegrippe schützt.
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