Klatten-Erpresser wollte 290 Millionen Euro

Gierig

Klatten-Erpresser wollte 290 Millionen Euro

Es klingt wie ein Drehbuch zu einem Kino-Thriller. Eine Milliardärin sucht Liebe und tappt in eine hinterhältige Falle eines Erpressers, der wiederum im Auftrag eines Sektenchefs agiert. Der Fall Susanne Klatten (45), mit 13 Milliarden Euro Vermögen reichste Deutsche und Großaktionärin von BMW, hält die Presse in Atem. Der Schweizer Helg Sgarbi (41) hat die seit 18 Jahren verhei­ratete Quandt-Erbin und dreifache Mutter im Innsbrucker Luxushotel Lanzerhof kennengelernt, verführt, sie dabei gefilmt und dann Schweigegeld erpresst.

Jetzt wurden die Vernehmungs-Protokolle von Susanne Klatten in der italienischen Zeitung L’espresso veröffentlicht – sie enthüllen weitere, bemerkenswerte Details:

Verhängnisvolle Affäre
Alles begann im Juli 2007 im Luxushotel Lanserhof: „In den letzten drei Tagen hat er gezielt Kontakt mit mir gesucht. Wir haben uns nur unterhalten, sind miteinander spazieren gegangen, mehr ist nicht damals passiert“, so Klatten zu dem Beamten. Es folgen Treffen in München, die Beziehung wird intim. Bereits einen Monat später spricht Helg S. von Geld. „Am 26. August schickte er mit plötzlich eine SMS, er müsse mich dringend sprechen. Ich rief ihn an, er sagte, er müsse mich sehen und könne die Sache nicht am Telefon erklären. Wir haben uns am selben Nachmittag getroffen, im Hotel Tulip-Inn in Schwaig, nahe dem Flughafen. Er erzählte, er habe in Eile abreisen (aus den USA/Anm. d. Red) müssen, weil er einen Autounfall gehabt hatte. Er habe dabei ein Kind angefahren, das plötzlich über die Straße gelaufen sei.“

Und weiter: „Er habe sich aus der Schweiz sofort einen sehr guten Anwalt kommen lassen, aber er benötige nun eine große Summe Geld, um sich sozusagen freizukaufen. ,Lass das sein’, habe ich ihm gesagt, ‚du bist für die Sache verantwortlich, du musst dich der Situation stellen.’ Ich hatte sofort das Gefühl, dass er Geld von mir wollte. In dieser Situation hat er mich das erste Mal danach gefragt.“ Genauer gesagt, wollte Helg S. satte sieben Millionen, die ihm Klatten auch in 200-Euro-Scheinen in einer Hotelgarage übergab. Ohne schriftliche Garantie. „Ich wollte, dass das Geld später einer gemeinnützigen Organisation gespendet würde. Er fand die Idee wunderbar.“

290 Millionen Euro
Erst im Oktober sei Klatten bewusst geworden, worum es ihrem Liebhaber wirklich ging. „Am Wochenende des 29./30. September schöpfte mein Mann Verdacht, dass ich ein Verhältnis mit S. hatte. Zu dem Zeitpunkt sprach Helg S. bereits davon, er wolle eine feste Beziehung mit mir und habe sogar schon eine Wohnung gemietet. Einige Tage später habe ich ihn dort besucht. Die Wohnung lag in München, ganz nahe am Hotel Holiday-Inn. Es war komplett leer, hatte nicht mal Vorhänge und man konnte direkt in die Büros gegenüber sehen. Bei diesem Treffen stellte S. mir ein Ultimatum: Ich solle meinen Mann verlassen. Er könne mir zwar finanziell nichts bieten, sagte er, aber er wisse eine gute Möglichkeit, Geld in einen Fond zu investieren. Er wisse gut Bescheid über diesen Fond, denn er habe ihn selbst aufgelegt“, so Klatten im Protokoll. „In diesem Moment begriff ich, dass es schon wieder um Geld ging, und dass er von meinem Geld sprach. Er sprach von einem Einsatz von 290 Millionen Euro. Dann brach er das Thema ab mit der Bemerkung, ich bräuchte sicher Zeit, um darüber nachzudenken. In den folgenden Tagen haben wir uns nicht gesehen.“

Psychokrieg
Klatten handelt und gesteht ihrem Ehemann Jan die Affäre, beendet sofort die Affäre mit Helg S.: „Ich beriet mich mit einem Anwalt und meinem Mann. Inzwischen hatte ich das Gefühl, Helg S. könnte eine wirkliche Gefahr für die ganze Familie werden. Also rief ich ihn an und beendete das Verhältnis. Das war zwischen dem 8. und 10. Oktober. Als ich ihn anrief, fragte er mich: ‚Was ist passiert? Setzt dir jemand eine Pistole an den Kopf?“

Der verhängnisvolle Gigolo greift zu Plan B.: „Als ich am 16. Oktober in den Lanserhof zu einem Kurzaufenthalt zurückkehrte, hat S. mir einen unbeschrifteten Umschlag bei der Rezeption hinterlegt. Das Hotel hat mir diesen Umschlag übergeben und darin war ein Brief sowie die ersten Fotos. Aufgrund der Kleidung müssten sie am 20. August im Holiday Inn in München entstanden sein – ich habe dazu aber nie mein Einverständnis gegeben.“

Sgarbi hat in Briefen zunächst 28, später nur noch 14 Millionen Euro gefordert. Am 14. Jänner dieses Jahres wurde er verhaftet, noch vor Weihnachten soll der Prozess beginnen.

Dann wird der berühmte Gigolo endlich seine Version der Geschichte erzählen.

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