07. April 2009 11:46
Ein Großteil der mittelalterlichen Monumente und die Kirchen in der
Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila wurden schwer beschädigt. Am stärksten
betroffen ist die Kirche Santa Maria di Collemaggio aus dem 13. Jahrhundert,
sowie die monumentale Basilika des heiligen Bernhardin von Siena aus dem 15.
Jahrhundert.
Eine Kuppel der Kirche stürzte bei dem Erdbeben ein und auch die Kathedrale
wurde beschädigt.
Teil der spanischen Festung aus dem 16. Jahrhundert, in dem das städtische
Museum untergebracht ist, brach wegen des Erdbebens zusammen. Auch das
Neapel-Tor, das im Jahr 1548 zu Ehren des Kaisers Karl V. errichtet wurde,
meldete schwere Schäden. Die Kuppel der Kirche des Heiligen Augustins, die
wegen ihrer Barocken-Gemälden bekannt ist, brach ein.
"Kathedrale wie nach Bombenangriff"
"Es wird unmöglich
sein, die Kirchen der Stadt in ihren vorherigen Zustand zurückzuversetzen",
klagte der Leiter der nach dem Erdbeben eingesetzten Expertenkommission.
"Die Kathedrale sieht wie nach einem Bombentreffer aus, wie in Sarajevo oder
Beirut", sagte er.
Expertenteam bestürzt
Das italienische Kulturministerium hat
ein Expertenteam nach L'Aquila entsendet, das bereits nach dem schweren
Erdbeben in Umbrien im Jahr 1997 die Restaurierung der zerstörten Basilika
in Assisi geleitet hatte. "Wir überprüfen die Lage, die Schäden sind enorm",
berichtete der Generalsekretär des Kulturministeriums Giuseppe Proietti.
Hilflosigkeit
Die Zerstörung von Kunstschätzen durch das Erdbeben
hat den aussichtslos scheinenden Kampf Italiens gegen Zerstörung und Verfall
seines überaus reichen kulturellen Erbes erneut ins Bewusstsein gerückt.
Gegen Naturkatastrophen ist der Staat machtlos, doch ist er auch so schon
kaum noch in der Lage, zumindest die wichtigsten Bauten und Einrichtungen zu
erhalten. Zwar kommen alljährlich Millionen von Touristen ins Land, doch
landet ihr Geld nur zu einem geringen Teil in den Kassen des
Kulturministeriums.
"Es ist ein Problem und großartig zugleich, dass ganz Italien ein einziges
riesiges Museum ist", kommentierte Kulturminister Sandro Bondi. Es gebe
nicht nur Kirchen und Paläste, die es zu erhalten gelte, sondern ganze
Ortschaften und Städte von besonderem architektonischen Wert. Selbst in
kleinsten Orten noch seien Kunstschätze von Bedeutung zu finden, die in
jedem anderen Land gehegt und gepflegt würden.
Da das Geld zur Pflege der Sehenswürdigkeiten nicht reicht, haben in einigen
Fällen private Firmen wie Versicherungsgesellschaften oder Banken diese
Aufgabe übernommen. Die Bank Monte dei Paschi aus der toskanischen Stadt
Siena meldete bereits ihre Bereitschaft, die Restaurierung der Basilika des
heiligen Bernhardin. "Der Heilige Bernhardin stammte aus unserer Stadt
Siena, daher wollen wir dafür sorgen, dass die Kirche zu seinem Ehren wieder
restauriert wird", sagte die Bankenleitung.