Leichnam von Italiens Nationalheiligem exhumiert

Padre Pio

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Leichnam von Italiens Nationalheiligem exhumiert

Anlässlich des bevorstehenden 40. Jahrestages seines Todes ist der Leichnam des italienischen Heiligen Padre Pio (1887-1968) in der Nacht auf Montag exhumiert worden. Die Exhumierung der sterblichen Überreste des Franziskaner-Mönchs, der neben dem Hl. Franziskus der am meisten verehrte Heilige in Italien ist, wurde in Anwesenheit einer Kommission aus mehreren Ärzten, eines vatikanischen Experten und einer Nichte des Heiligen durchgeführt.

Im April soll Leiche ausgestellt werden
Am 24. April soll die Leiche öffentlich ausgestellt werden. Bis dahin wird der Leichnam in einer Krypta der Kirche Santa Maria delle Grazie aufbewahrt. "Einige Teile des Leichnams, wie die Füße, sind intakt", sagte Erzbischof Domenico Umberto D'Ambrosio. "Wir hoffen, dass auch der Papst zum Leichnam von Padre Pio pilgern wird", sagte der Erzbischof.

Am 23. September, dem Jahrestag seines Todes, soll das Grab des 2002 heiliggesprochenen Padre Pio in eine neue Kirche überführt werden, die vom Stararchitekten Renzo Piano in der süditalienischen Ortschaft San Giovanni Rotondo - 40 km nordöstlich von Foggia - erbaut wurde.

Das kleine Dorf im Hinterland Apuliens auf der Halbinsel Gargano, in dem der Mönch gelebt und Wunder gewirkt hatte, ist längst einer der größten Wallfahrtsorte Europas. In der 27.000-Einwohner-Gemeinde gibt es 194 Hotels, 132 Bars, 110 Restaurants und Dutzende Großraum-Parkplätze. An jedem Wochenende kommen bis zu 500 Autobusse nach San Giovanni.

Heftige Kritik
Der Beschluss, Padre Pios Leiche zu exhumieren, wurde vom Erzbischof D'Ambrosio gefasst, der für das Sanktuarium des Heiligen in San Giovanni Rotondo zuständig ist. Sein Beschluss wurde von einer Gruppe von Gläubigen unter der Leitung des Turiner Rechtsanwalts Francesco Traversi heftig kritisiert. Traversi beschuldigte den Erzbischof, aus rein kommerziellen Gründen die Leiche exhumieren zu wollen. Der Umsatz der Wirtschaft von San Giovanni Rotondo geht zu mehr als 50 Prozent auf das Konto des Kultes um Padre Pio. Circa die Hälfte aller Erwerbstätigen finden ihr Auskommen direkt oder indirekt durch den Heiligen.

Mehr Pilger erwartet
Die Einweihung der Piano-Kirche soll zur Belebung des Pilgerstroms nach San Giovanni Rotondo beitragen, der rückläufig ist. Nach dem Besucherboom in Zusammenhang mit der Heiligsprechung Padre Pios wurde in den vergangenen Jahren ein Pilgerrückgang gemeldet. Mehrere Hotels und Souvenirgeschäfte mussten zusperren. Das "Las Vegas Süditaliens" stecke in der Krise, kommentierten italienische Medien. Trotzdem werden auch dieses Jahr sechs Millionen Besucher erwartet.

Volkheiliger Nr. 1
Padre Pio ist in Italien der Volksheilige Nummer Eins. Laut Meinungsumfragen dürfte die Hälfte aller Italiener den Kapuzinermönch um Hilfe anrufen, wenn sie sich in irgendeiner Notsituation befinden und auf Unterstützung aus dem Jenseits hoffen. Der 1887 als Francesco Forgione in der Region Kampanien geborene Kapuziner verbrachte bis zu seinem Tod ein halbes Jahrhundert in San Giovanni Rotondo.

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