Massenmörder Fourniret vor Gericht

"Ärger als Dutroux"

Massenmörder Fourniret vor Gericht

Mit einer Verhöhnung der Opfer hat in Frankreich der Prozess gegen den geständigen Serienmörder Michel Fourniret und seine Frau begonnen. Obwohl er in Verhören die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung von sieben Mädchen und jungen Frauen in Frankreich und Belgien gestanden hat, boykottiert der 65-jährige Angeklagte jetzt das Verfahren.

Fourniret fordert Auschluss der Öffentlichkeit
Nach der Aufforderung des Richters, sich zum Auftakt des Prozesses zu identifizieren, hielt Fourniret am Donnerstag einen Zettel an den Glaskasten, in dem er saß: "Ohne geschlossene Türen Mund zugenäht." Anschließend überreichte er eine Papierrolle mit einer Erklärung an die Angehörigen, die der Richter verlesen sollte, was dieser zunächst ablehnte. Darin wollte Fourniret sich seinem Verteidiger Philippe Jumelin zufolge an die Familien der Opfer wenden. In ihrem Interesse fordere er den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Auch das Schicksal seiner Frau Monique Olivier mache im Sorge, sagte Jumelin der Zeitung "Figaro". "Er wird weiterhin bekräftigen, dass er der Schuldige ist und dass sie ihm nur gelegentlich geholfen hat. Er hat auf keinen Fall die Absicht, die Schuld auf sie zu schieben."

Einzigartiger Prozess
Der Prozess in der Ardennenstadt Charleville-Mezieres ist einzigartig in der Geschichte Frankreichs: Zum ersten Mal ist ein Ehepaar wegen einer derartigen Mordserie angeklagt. Ihre Taten begingen die beiden von 1987 bis 2001. 2003 gelang einem Mädchen die Flucht aus Fournirets Wagen. Sie alarmierte die Polizei, und das Paar wurde festgenommen. Die heute 59-jährige Monique Olivier half ihrem Mann, seine Opfer in die Falle zu locken, und war in einem Fall an der Ermordung beteiligt. Sie hatte ein Jahr nach der Verhaftung die Verbrechen eingeräumt und auch ihren Mann zum Reden gebracht. "Die Teufel vor Gericht", titelte die Zeitung "Le Parisien".

"Wir wollen keine neuen Einzelheiten erfahren, das Leid ist schon so kaum zu ertragen", sagte Francis Brichet. Seine zwölfjährige Tochter Elisabeth wurde 1989 in Belgien entführt. Fourniret gab an, sie vergewaltigt und am folgenden Tag erwürgt zu haben. Ihre Leiche verscharrte er auf seinem Anwesen in Ostfrankreich.

"Im Prozess geht es darum, dass die Opfer gewürdigt werden, dass man von ihnen spricht", sagte der Anwalt der Familie, Jean-Maurice Arnould. Dass Fourniret das Verfahren boykottiert, macht die Angehörigen noch verzweifelter. "Eine weitere Verhöhnung der Opfer", sagte Marie-Noelle Bouzet, Mutter eines von Fourniret vergewaltigten Mädchens.

Kritik an der Justiz
Die Zivilkläger wollen auch wissen, warum die Justiz Fourniret nicht früher stoppte. Schon 1966 wurde er wegen sexueller Belästigung Minderjähriger verurteilt. Ins Gefängnis musste er zum ersten Mal im Jahr 1984, verurteilt wegen sieben Vergewaltigungen. Doch schon drei Jahre später war er wieder auf freiem Fuß und setzte seine "Jagd auf Jungfrauen", wie er es bezeichnete, fort.

Der hoch intelligente Mann, der ein Doppelleben als Maurer, Waldarbeiter oder Kantinenangestellter im französisch-belgischen Grenzgebiet führte, brüstete sich bisher mit seinen Verbrechen. "Ich bin schlimmer als (der belgische Kinderschänder Marc) Dutroux", schüchterte er eines seiner Opfer ein.

Methoden imitiert
Um seine Spur zu verwischen, imitierte Fourniret die Methoden anderer Serienmörder. Zudem zog er in den 90er Jahren nach Belgien, wo die Justiz zunächst nicht über sein Vorstrafenregister informiert wurde.

Monique Olivier wirft ihrem Mann zwei weitere Morde vor, die Gegenstand eines anderen Verfahrens sind. Insgesamt ermitteln die Behörden in mehr als 30 ungeklärten Fällen, ob es eine Beteiligung Fournirets gab. Er muss mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung rechnen. Das Urteil wird in zwei Monaten erwartet.

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