Mutter gesteht Tiefkühl-Morde

Prozess in D

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Mutter gesteht Tiefkühl-Morde

Zum Auftakt des Prozesses um den Fund von drei toten Babys in einer Tiefkühltruhe hat die angeklagte Mutter aus dem sauerländischen Wenden bestritten, ihr Kinder getötet zu haben. "Wir weisen den Vorwurf des Totschlags zurück", sagte der Verteidiger der 44-Jährigen am Dienstag vor dem Landgericht Siegen. In einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung gab die Hausfrau jedoch zu, die Leichen der drei neugeborenen Mädchen 1986, 1988 und 2004 in Plastiktüten verpackt und anschließend in die Tiefkühltruhe im Haus der Familie in Wenden-Möllmicke versteckt zu haben.

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Foto: (c) AP

Landesweites Entsetzen
Die Entdeckung der Babyleichen im vergangenen Mai hatte landesweit Entsetzen ausgelöst: Der 18-jährige Sohn der Angeklagten fand einen der Leichname bei der Suche nach einer Pizza in der heimischen Tiefkühltruhe. Staatsanwalt Günter Scholz warf der 44-Jährigen, die gemeinsam mit ihrem Ehemann noch drei weitere Kinder hat, zum Prozessauftakt zweifachen Totschlag vor. Die Frau habe zum Jahresende 1988 sowie im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 zwei Mädchen nach der Geburt getötet, die Leichen in Handtücher eingewickelt in Plastiktüten gesteckt und diese dann in der Tiefkühltruhe deponiert. Das dritte Baby tötete die Angeklagte demnach bereits 1986 oder 1987, diese Tat ist allerdings verjährt.

Im Gegenzug verwiesen die Verteidiger in ihrer Erklärung darauf, dass ihre Mandantin im ersten angeklagten Fall erst nach der Geburt des Kindes bemerkt habe, "dass etwas mit dem Kind nicht stimmte". Im zweiten Fall habe das in einer Badewanne geborene Baby keine Lebenszeichen von sich gegeben. Beide Neugeborene habe die Frau dann in die Tiefkühltruhe gelegt. "Angst vor einer möglichen Entdeckung der Babys hatte sie nicht. Für sie war einzig und allein wichtig, die Babys in ihrer Nähe zu wissen." Ausdrücklich bejahte die Angeklagte die Frage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Münker, ob sie gewollt habe, dass die Kinder überlebten.

Alkoholprobleme
Die drei Schwangerschaften seien "weder gewünscht noch unerwünscht" gewesen, hieß es in der Erklärung der Anwälte. Darin verwiesen die Verteidiger unter anderem darauf, dass ihre Mandantin unter einem mit den Jahren wachsenden Alkoholproblem gelitten habe. Auch habe die Mutter die Schwangerschaften verdrängt, unter anderem weil sie "panische Angst vor Ärzten" gehabt habe. "Um sich nicht mit der für sie kaum erträglichen Situation eines Arztbesuchs konfrontieren zu müssen, verdrängte sie die Schwangerschaft und wartete erst einmal ab."

Der Verteidiger deutete in diesem Zusammenhang eine lange zurückliegende sexuellen Missbrauchstat an seiner Mandantin an, die womöglich Auslöser für die Angst der Frau vor einer gynäkologischen Untersuchung gewesen sei. Den entsprechenden Sachverhalt erörterten die Prozessbeteiligten auf Antrag der Verteidigung hinter verschlossenen Türen; die Öffentlichkeit wurde per Beschluss der Kammer vorübergehend von dem Verfahren ausgeschlossen.

Die Hausfrau hatte nach ihrer Festnahme Anfang Mai in der Untersuchungshaft zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geschwiegen. Vor rund vier Wochen setzte die Siegener Strafkammer die Untersuchungshaft gegen Auflagen außer Vollzug, die 44-Jährige begab sich daraufhin aus freien Stücken in eine therapeutische Einrichtung. Die Verteidigung wertete ihre Freilassung als "wesentliche Voraussetzung", dass die Angeklagte überhaupt verhandlungsfähig sei und sich nunmehr zu den Vorwürfen äußern könne.

Die Anwälte der 44-Jährigen machten zudem am Rande des Prozesses deutlich, dass die Verteidiger womöglich auf verminderte Schuldfähigkeit ihrer Mandantin plädieren werden. Das Verfahren soll am Mittwoch kommender Woche mit der Vernehmung des Ehemanns und der drei Kinder der Angeklagten fortgesetzt werden.

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